Wir haben 16092 registrierte Benutzer. Der neueste Benutzer ist slayer6666.
Unsere Benutzer haben insgesamt 73160 Beiträge geschrieben. innerhalb von 9787 topics |
 |
Juli 2008 |
 |
| So |
Mo |
Di |
Mi |
Do |
Fr |
Sa |
| |
|
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
| 6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
11 |
12 |
| 13 |
14 |
15 |
16 |
17 |
18 |
19 |
| 20 |
21 |
22 |
23 |
24 |
25 |
26 |
| 27 |
28 |
29 |
30 |
31 |
|
|
| Verfasst am: FTW @ 19.06.07 | 17:00 |
|
|
Autor: Annonym
Teil 3
http://www.mesomorphosis.com/articles/anonymous/drug-testing-and-sports-03.htm
Dies ist Teil drei einer dreiteiligen Artikelserie. Der erste Teil behandelte die formalen Abläufe von Dopingtests im Bereich des Sports, hauptsächlich auf internationaler Ebene. Der zweite Teil setzte die Betrachtung der formellen Abläufe fort. Dieser Teil präsentiert anekdotenhaft einige Einzelberichte und geht näher auf die Taktiken und Strategien ein, die von Sportlern eingesetzt werden, um positive Dopingtests zu verhindern. Dieser Artikel spiegelt die persönlichen angesammelten Erfahrungen des Autors wieder, der bei Dopingtests für eine ganze Reihe von Sportarten involviert war. Auch wenn das Arsenal der von Sportlern verwendeten Medikamenten und Substanzen sehr viel größer ist, befasst sich diese Artikelserie hauptsächlich mit der Verwendung anaboler androgener Steroide (AAS).
Einleitung
Die Dosierungen anaboler androgener Steroide (AAS), die von Sportlern eingesetzt werden, überschreiten bei weitem die therapeutischen Mengen und typischerweise werden mehrere verschiedene AAS zusammen eingenommen (Stack) oder zu verschiedenen Zeiten verwendet (Zyklus). Die meisten Sportler setzen Steroide zur Unterstützung der Regeneration nach dem Training ein und beenden deren Einnahme rechtzeitig vor einem sportlichen Ereignis, so dass sie einen Dopingtest problemlos bestehen können. Während eines typischen Steroidzyklus werden gewöhnlich andere Medikamente, wie Diuretika zur Reduzierung von Wassereinlagerungen, Schilddrüsenhormone zur Unterstützung des Gewichtsabbaus und/oder Tamoxifen zur Verhinderung einer Gynäkomastie eingesetzt. In den USA und anderen Länder sind diese Medikamente ungeachtet ihres legalen Status in Fitnessstudios leicht erhältlich.
Sportler mit Zugang zu den richtigen Quellen können einen Dopingtest austricksen. Andere Sportler können dies nicht. Die eigentliche Idee hinter den Dopingtests ist die Chancengleichheit aller Sportler. In der Realität ist dieses System von Natur aus unfair. Wenn ein Sportler ausreichend Geld und das richtige unterstützende Personal um sich hat, dann kann er mit Sicherheit die Herausforderung eines Dopingtest annehmen. Wenn ein anderer Sportler wenig Geld und geringes Wissen über leistungssteigernde Substanzen und Dopingtests besitzt, dann ist er ernsthaft benachteiligt.
Anekdotenhafte Ereignisse
NCAA
Etwa 2 bis 3 Jahre bevor ich als offizieller Beauftragter für Dopingtests tätig war, befand ich mich auf einer Party, die von einigen Collegesportlern veranstaltet wurde. Überall wurden Joints geraucht und der Alkohol floss in Strömen. Ich wusste, dass ein Freund von mir auf Anabolika getestet werden würde, da er ein ziemlich breiter und massiger Typ war (fast 300 Pfund) und aus diesem Grunde auch immer getestet wurde. Auch wenn er zumindest auf der Party keinen Joint angerührt, war er nicht weiter beunruhigt. Er erzählte, dass er niemals positiv auf Marihuana getestet worden war, obwohl er schon öfters noch am Abend vor dem Dopingtest völlig zugekifft war. Er vermutete, dass aufgrund seiner enormen Körpermasse alle Rückstände schnell abgebaut werden konnten. Auch wenn diese Erklärung für mich nicht viel Sinn machte, war es eine Tatsache, dass er niemals positiv getestet wurde. Dies schien mir aufgrund der formalen Abläufe eigentlich unmöglich zu sein. Warum man ihn trotzdem nie erwischte, wurde mir Jahre später klar.
Wenn man jemals den Film “The Program” gesehen hat, dann weiß man über die verschiedenen, nicht chemischen definierten Hilfsmittel Bescheid, mit denen Sportler versucht haben Dopingtests zu überlisten. Ich habe es selbst erlebt und auch oft etwas darüber gehört, dass Sportler erwischt wurden, die versucht hatten fremdes Urin im Badezimmer zu verstecken oder Katheder und Plastikbeutel voller Urin in der Hose versteckt hatten, usw.. Ich habe bisher nie von einem Collegesportler gehört, der versucht hat sich fremden Urin in die eigene Blase einzuführen, um so einen Dopingtest zu bestehen. Auf Profiebene und bei Meisterschaften auf Eliteebene ist diese Praxis jedoch schon zur Anwendung gekommen. Um diese mechanischen Methoden, die von Sportlern angewandt werden, um Dopingtests zu umgehen, zu entlarven, werden einige Schlüsseltests mit jeder Urinprobe durchgeführt, sobald diese abgegeben wird. Im Jahre 1995 hatte sich die Prozedur der Urinabgabe wie folgt entwickelt: der Sportler kommt in den Umkleideraum und findet an seinem Spind eine Benachrichtigung vor, dass er sich zu einem Dopingtest melden soll. Diese Benachrichtigung sollte direkt vor dem Training dort platziert werden, so dass der Sportler Bescheid weiß und nicht noch vorher auf die Toilette geht. Nach dem Training muss sich der Sportler bei der Teststation melden, welche sich normalerweise im oder in der Nähe des Umkleideraumes befindet. Von diesem Zeitpunkt an wird der Sportler ständig überwacht. Der Sportler sucht sich dann selbst einen Behälter aus, in den er urinieren muss. Auf den Behälter und die zugehörigen Dokumente werden Identifikationsaufkleber geklebt. Der Sportler geht anschließen in Begleitung eines offiziell Beauftragten auf die Toilette, wo er auch bei der Urinabgabe überwacht wird. Der offizielle Beauftragte muss Zeuge sein, wie der Strahl des Urins in den Behälter gelangt. Nachdem die geforderte Menge Urin abgegeben und der Behälter verschlossen wurde, kehren Sportler und Beauftragter zu Teststation zurück, wo die Dokumente vervollständigt und vom Sportler unterzeichnet werden. Zu diesem Zeitpunkt werden PH Wert, Temperatur und spezifisches Gewicht der Probe mit Hilfe von Teststreifen bestimmt. (Hierdurch wird die Verwendung von Reagenzgläsern umgangen und es wird auch verhindert, dass an der Urinprobe selbst manipuliert wird.) Wenn alle drei Schnelltests im erlaubten Rahmen liegen, darf der Sportler die Teststation verlassen. Fall auch nur einer der Werte außerhalb des erlaubten Bereichs liegt, muss eine weitere Urinprobe abgegeben werden.
Dies waren die Routinevorgänge, die der Sportler selbst miterlebte. Schauen wir uns nun einmal an, was wirklich mit den Urinproben passiert. NCAA Athleten werden darüber informiert, dass sie auf Marihuana, Kokain, AAS und Amphetamine getestet werden. Sie werden in dem Glauben belassen, dass jede einzelne Probe auf all diese Stoffe hin untersucht wird. In diesem Zusammenhang möchte ich an den massigen Bekannten von mir erinnern, der nie positiv auf Marihuana getestet wurde. Die Erklärung hierfür ist simpel: sein Urin wurde nie auf Marihuana getestet. Die Faustregel, von der ich Jahre später erfuhr, sah wie folgt aus: Da Dopingtests sehr teuer sind, wurden die massigen Sportler wie Lineman, Verteidiger und Kugelstoßer auf Steroide getestet, wogegen schmächtigere Sportler auf andere Stoffe, wie z.B. Marihuana, untersucht wurden. Es war also möglich, dass ein Fänger, Leichtgewichtringer oder ein schmal aussehender Sportler AAS verwendete, ohne jemals erwischt zu werden, auch wenn er getestet wurde. Auf der anderen Seite konnten schwergewichtige Sportler theoretisch die ganze Zeit über zugekifft sein, ohne jemals positiv auf Marihuana oder Kokain getestet zu werden, da man ihr Urin immer nur auf Steroide untersuchte.
Gewichtheben
Wenn man den Sport des Gewichthebens über die Jahre verfolgt hat, weiß man, wie überlegen die bulgarische Gewichthebermannschaft einmal war. Wie konnten sie auf internationaler Ebene so erfolgreich sein? Ich sage es mit einem Wort: DOPING. Vergesst all den Mist über Training und regenerationsfördernde Maßnahmen. Heute stehen dem Team immer noch dieselben Trainingsmethoden und die selben regenerationsfördernden Maßnahmen zur Verfügung, doch sie sind trotzdem bei weitem nicht mehr so dominant wie früher. Der Grund dafür, dass die Bulgaren sechsmal pro Woche intensiv trainieren konnten und kontinuierliche Fortschritte machten war, dass sie herausgefunden hatten, wie sie ihren Medikamentenmissbrauch verstecken konnten. Von der Vielfalt der von ihnen verwendeten Tricks möchte ich an dieser Stelle einige aufzählen, die wir nachweisen konnten. Die bulgarischen Gewichtheber fasteten immer 2 bis 3 Tage vor einem Wettkampf. Fasten senkt den Spiegel des Luteinizing Hormons (LH). Hierdurch wird die körpereigene Testosteronproduktion gesenkt. Weiterhin erhöht Fasten die Ausscheidungsrate anaboler Steroide. Als Resultat hiervon befanden sich in den Urinproben geringere Mengen an Testosteron und anderer Steroide, da der größte Teil dieser Stoffe während des Fastens ausgeschieden wurde. Dies war jedoch nicht der einzige Trick, für den sie bekannt waren. Ihr wahres Ass im Ärmel war die Verwendung von Diuretika. Mit Hilfe von Diuretika wurde eine große Menge an Flüssigkeit über den Urin ausgeschieden. In Verbindung mit einem großen Flüssigkeitskonsum wurde die Ausscheidung anaboler Steroide und anderer verbotener Substanzen beschleunigt. Diese Technik brachte gleich zwei Vorteile: erstens konnte der Sportler so verhindern positiv auf verbotene Substanzen getestet zu werden und zweitens konnte er schnell an Gewicht verlieren und in einer niedrigeren Gewichtsklasse antreten. Doch die Diuretika leiteten auch den Niedergang des Bulgarischen Teams ein. Bei einer Veranstaltung der Olympischen Spiele sah sich das Team gezwungen, sich von den Wettkämpfen zurück zu ziehen, da alle Mitglieder der Leichtgewichtsklasse positiv auf Diuretika getestet worden waren. Um weitere Schmach zu vermeiden, trat der Rest des Teams nicht weiter an. Wenn also das nächste mal irgendwer etwas darüber erzählt, wie die Bulgaren trainieren, sollte man ihm eine Ohrfeige verpassen um ihn in die Realität zurück zu holen. Dann sollte man ihn daran erinnern, dass die bulgarischen Gewichtheber nicht mehr die Dominanz wie früher besitzen. Das einzige was sich im Vergleich zu damals verbessert hat, sind die Dopingtests.
Doch wie sieht es mit den Jungs aus Amerika aus? Sind sie sauber? Sauber ist ein so mehrdeutiges Wort, deshalb sollte man an dieser Stelle etwas präziser werden: Verwenden sie anabole androgene Steroide? Ich habe nie aus erster Hand erfahren, dass ein Sportler des olympischen Teams Steroide verwendet hat (wir wissen alle von den Sportlern des Jahres 1976 und nachfolgenden Sportlern, die positiv getestet wurden). Wie auch immer, ich habe jedoch aus erster Hand von der Verwendung anaboler Steroide, Wachstumshormonen und anderer Substanzen gehört, die von Sportlern auf niedrigerem Niveau verwendet werden. Ich weiß auch von Sportlern, die Prohormone verwendet haben und trotzdem negativ getestet wurden. Diese Tests wurden, soweit ich das beurteilen kann, völlig korrekt durchgeführt, nicht wie die „Versicherungs oder Waschbecken“ Tests, über die Dr. Voy in seinem Buch geschrieben hat (bei denen die Urinproben der Sportler einfach weg geschüttet wurden und ein negatives Testresultat übermittelt wurde). Weiterhin verwendeten diese Sportler keinerlei Strategien, die zu einer Verschleierung der verwendeten Substanzen hätte führen können. Für diese negativen Testergebnisse kann es mehrere Gründe geben. Vielleicht verwendeten die erwähnten Sportler Supplements, die keine nennenswerten Mengen an DHEA oder Androstenedione enthielten. Vielleicht war die Menge an eingenommenem Prohormonen zu gering, um zu einem positiven Testergebnis zu führen. Schließlich könnte die Konvertierung dieser Androgene zu Östrogen auch so schnell erfolgen, dass die gängigen Tests diese Androgene nicht nachweisen können (erhöhte Östrogenwerte im Urin spielen hierbei keine Rolle, da auf Östrogen nicht getestet wird.) Normalerweise nimmt ein Durchschnittssportler 100-200 mg Androstenedione vor dem Training ein. Die Idee hinter dieser Einnahme ist, dass die plötzliche Erhöhung des Testosteronspiegels aufgrund der Konvertierung von Androstenedione in einer gesteigerten Aggressivität resultiert und somit ein besseres Training möglich wird. Während man noch über Sinn oder Unsinn dieser Taktik nachdenkt, soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, was ein Sportler mit Zugang zu den entsprechenden Ressourcen durchgeführt hat. Dieser Sportler führte seine eigene kleine Studie durch und spielte hierbei selbst das Versuchskaninchen. An unterschiedlichen Tagen nahm er stetig gesteigerte Dosierungen von DHEA, Androstenedione oder eine Kombination beider Wirkstoffe ein. So würde er z.B. zu Beginn seines Versuchs vielleicht zuerst 100mg DHEA einnehmen, dann 100 mg Androstenedione, dann jeweils 100mg DHEA und 100mg Androstenedione in Kombination, anschließend würde er vielleicht 200mg Androstenedione verwenden usw.. Während dieser Phase ließ er sein Urin und seine Bluthormonwerte regelmäßig testen. Er fand so heraus, dass er mit einer Dosis von 800-1000 mg Androstenedione seine Testosteronwerte so weit erhöhen konnte, dass dies seine Trainingsleistung steigerte. Wenn er jemals getestet würde, sollte die Konvertierung von Androstenedione zu Östron (und von Testosteron zu Östradiol) seinen Androstenedione Spiegel und seinen Testosteronspiegel so weit senken, dass es zu einem negativen Testergebnis kommen würde. Dies mag für ihn funktioniert haben, doch andere Sportler sollten nicht so leichtgläubig sein und blind dieselbe Strategie verfolgen. Solange sie nicht eine ähnliche Selbststudie durchführen, können sie nicht wissen, ob die Erhöhung der Androgenmenge und die Konvertierung bei ihnen genauso ausfallen wird. Kurz gesagt kann man nicht auf die Hormon- und Urinwerte eines anderen Sportlers vertrauen und hoffen, dass die eigenen Werte identisch ausfallen.
Der weniger erfahrene Sportler kann eine einfache Lücke in den Dopingtestregeln der amerikanischen Gewichtheberorganisation ausnutzen. Ein Sportler muss mindestens 6 Monate am Testprogramm mit Tests ohne Vorankündigungen teilgenommen haben, bevor er an einem lokalen, regionalen oder nationalen Wettkampf teilnehmen darf, durch den er sich für einen internationalen Wettkampf qualifizieren kann. Man könnte also für drei Jahre AAS verwenden, um stärker zu werden und schwerere Gewichte heben zu können und erst im Anschluss, wenn man wieder Drogenfrei ist, am Testprogramm teilnehmen, bei dem man dann negativ getestet werden wird. Anschließend kann man die benötigten Qualifikationswettkämpfe bestreiten und sich für einen internationalen Wettkampf qualifizieren (natürlich vorausgesetzt, dass man gut genug ist). Dies soll keine Herawürdigung des amerikanischen Gewichtheberverbands sein, da es ganz offensichtlich unmöglich ist zu wissen, wen man testen soll, bevor eine Person verkündet, dass er oder sie sich für einen internationalen Wettkampf qualifizieren möchte. Dieses Beispiel soll nur einmal mehr zeigen, dass Sportler den Dopingtestbestrebungen immer einen Schritt voraus sein können und auch sein werden.
Allgemeine Methoden um einen positiven Dopingtest zu vermeiden
Bisherige Methoden
Die im Folgenden beschriebenen Taktiken sind nicht auf eine bestimmte Sportart beschränkt. Sie sollen hier bezüglich des ihnen zugrunde liegenden Grundprinzips beschrieben werden und anschließend wird erläutert, was getan wurde um die Anwendung dieser Taktiken zu verhindern oder zumindest ihre Effektivität einzuschränken.
Als Sportler erstmalig Dopingtests ausgesetzt wurden, waren sie hierauf nicht vorbereitet. Analytische Chemie ist nicht gerade ein Gebiet, auf das sich Sportler im Allgemeinen spezialisieren. Nach Rücksprache mit qualifizierteren Experten und Trainern erkannten Sportler jedoch recht bald, dass es ausreicht AAS rechtzeitig abzusetzen, so dass bis zum erwarteten Test genug Zeit vergehen kann, während der sämtliche verbotene Substanzen vom Körper ausgeschieden oder abgebaut werden können, was schließlich zu einem negativen Dopingtest führt. Dies wurde ganz einfach dadurch herausgefunden, dass Urinproben an ein Labor mit entsprechender analytischer Ausstattung geschickt wurden. Der entsprechende Sportler wurde nach jedem Test über das Ergebnis informiert, so dass er irgendwann genau wusste, wie viel Zeit nach der letzten Einnahme einer bestimmten Substanz vergehen musste, bis sein Dopingtest negativ ausfallen würde. Wenn dann der eigentliche Wettkampf anstand, konnte der Sportler bedenkenlos teilnehmen, da er genau wusste, wie sein Testergebnis ausfallen würde. Dies funktionierte solange, bis unterschiedliche Methoden zum Nachweis anaboler Steroide eingeführt wurden.
Die Unsicherheit darüber, welche Ausstattung oder welche Testmethode für den Dopingtest verwendet wird, schuf die Notwendigkeit für andere Methoden zur Vermeidung eines positiven Testergebnisses. Wie bereits erwähnt, war die Verwendung von Diuretika eine dieser Strategien. Diuretika wurden bei Sportarten mit Gewichtsklassen missbraucht um schnell an Gewicht zu verlieren (In den frühen Tagen des Powerlifting war es üblich, dass Sportler mit Hilfe von Diuretika Gewicht verloren und sich nach dem Wiegen mit Hilfe intravenöser Infusionen wieder rehydrierten). Diuretika werden auch dafür verwendet, das Urinvolumen zu erhöhen und den Urin zu verdünnen, was geringe Mengen verbotener Substanzen schwerer nachweisbar macht. Auch wenn mit Dopingtests bereits im Jahre 1976 begonnen wurde, dauerte es doch bis zum Jahre 1988, bevor auch auf Diuretika getestet wurde. Nachdem auch die Diuretika auf der Liste der verbotenen Substanzen gelandet waren, mussten neue Alternativen gefunden werden. Physikalische Methoden, wie die Katheterisierung und Urinersatz wurden weiter eingesetzt.
Alternativ hierzu wurden die Nierenausscheidung blockierende Substanzen eingesetzt. Die Idee hinter diesen war einfach: Wenn man die Abbauprodukte anaboler Steroide nicht über den Urin ausscheidet, dann kann man auch nicht positiv getestet werden. Probenecid war das am häufigsten angewandte Produkt aus dieser Kategorie von Sunstanzen. Es verzögert die Ausscheidung einer ganzen Reihe von Stoffen, zu denen auch AAS gehören. Sportler die solche maskierenden Substanzen verwenden, können AAS viel kürzer vor einem Wettkampf absetzen und trotzdem den Dopingtest bestehen. Nachdem bekannt wurde, dass Probenecid und verwandte Stoffe bei Sportlern zum Einsatz kamen, wurden auch diese in die Liste der verbotenen Substanzen mit aufgenommen.
Die Anwendung von Testosteron stellt eine weitere Strategie zur Verhinderung eines positiven Dopingtests dar. Bis zum heutigen Tag kann mit den zum Einsatz kommenden Testmethoden nicht zwischen körpereigenem und von außen zugeführtem Testosteron unterschieden werden. Um den Einsatz von extern zugeführtem Testosteron zu erkennen, wird das Verhältnis von freiem Testostern zu seinem freien Analogon Epitestosteron gemessen. Ein Verhältnis von 6:1 oder größer wird als Hinweis auf einen Testosteronmissbrauch gewertet. Dieses Verhältnis ist normalerweise im Urin geringer als 2:1. Sportler reagierten hierauf, indem sie neben Testosteron auch Epitestosteron von außen zuführten, um so das Verhältnis geringer als 6:1 zu halten. Aus diesem Grunde wurde auch Epitestosteron zur Liste der verbotenen Substanzen hinzugefügt.
Zukünftige Trends
Es wurde auf vielen Ebenen weiter geforscht um der Verwendung verbotener Substanzen vorzubeugen und diese zu verhindern. Unglücklicherweise wussten Sportler oft schon vor der Einführung eines neuen Tests, wie sie diesen überlisten konnten. Ein Beispiel hierfür sind die Untersuchungen bezüglich der Erfassung von Langzeitdaten, um ein exaktes Hormonprofil eines Sportlers zu erhalten. Wenn sich das Testosteron : Epitestosteron Verhältnis eines Sportlers immer innerhalb eines gewissen Bereichs befindet und dann irgendwann über diesen Bereich hinaus erhöht ist, könnte dies als Hinweis auf den Einsatz von extern zugeführtem Testosteron angesehen werden. Während solche Tests noch vor ihrer Einführung stehen, verwenden Sportler längst sublinguale Cyclodextrin-Testosteron Präparate. Bei der Verwendung dieser Präparate sinkt das Testosteron : Epitestosteron Verhältnis innerhalb weniger Stunden wieder auf den Normalwert ab.
Eine weitere Methode, welche zurzeit untersucht wird, ist die Messung des Verhältnisses der Kohlenstoffisotope C 12 und C 13 im Testosteron und zweier seiner Vorläuferstoffe, welche sich im Urin befinden. Untersuchungen auf diesem Gebiet deuten darauf hin, dass eine Verwendung verbotener Substanzen vorliegt, wenn diese Verhältnisse nicht übereinstimmen. Körpereigenes Testosteron unterscheidet sich bezüglich der Kohlenstoffisotope von künstlich hergestelltem Testosteron, welches in der Regel aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt wird. Auch hier sind die Sportler den Kontrolleuren einen Schritt voraus, indem sie Rinder-/Schweine- oder Pferdetestosteron verwenden, welches dem menschlichen Testosteron sehr ähnliche Kohlenstoffisotop-Verhältnisse aufweist.
Es wird angenommen, dass Peptidhormone die am häufigsten angewandten verbotenen Substanzen während der olympischen Spiele im Jahre 2000 sein werden. Keines dieser Hormone kann mit Hilfe bestehender Dopingtests nachgewiesen werden. Aus diesem Grunde wurde vor den Spielen ein internationales Projekt namens GH2000 mit der Hoffnung ins Leben gerufen, dass es möglich wäre eine juristisch unanfechtbare Methode zur Entdeckung der Anwendung von extern zugeführten Wachstumshormonen und verwandter Substanzen zu entwickeln. Zum augenblicklichen Zeitpunkt werden diese Testmethoden noch weiter untersucht und kommen noch nicht in der Praxis zum Einsatz. Sportler verwenden jedoch bereits über die Nasenschleimhäute zugeführte Wachstumshormone, welche nach der Anwendung nur eine sehr kurze Halbwertszeit im Blut aufweisen.
Vielleicht wird die letzte Schlacht zwischen Sportlern, die versuchen positive Dopingtests zu vermeiden und den Testern auf juristischer Ebene ausgetragen. Immunoassays für bestimmte Substanzen wurden automatisiert, um die Kosten für Dopingtests gering zu halten.
(Auszug Wikipedia: Als Immunoassays werden zusammenfassend eine Reihe von Methoden in der Bioanalytik bezeichnet, deren gemeinsames Grundprinzip die Erkennung und damit der Nachweis eines Analyten in einer flüssigen Phase durch die Bindung eines Antigens an einen Antikörper ist. Je nach Konfiguration des Assays können sowohl Antigen als auch Antikörper der nachzuweisende Analyt sein. Bei der Durchführung von Immunoassays wird die hohe Spezifität und Bindungsstärke der Bindung zwischen Antigenen und Antikörpern genutzt)
Ein positives Testergebnis aufgrund eines Immunoassays ist für sich gesehen jedoch nicht ausreichend. Aus diesem Grund ist eine Bestätigung mit Hilfe einer exakteren Methode notwendig. Gaschromatographie in Verbindung mit der Massenspektographie wird hierbei als die Referenzmethode angesehen, da das Ergebnis eine Art „Fingerabdruck“ der verwendeten Substanz oder ihrer Abbauprodukte darstellt. Die Ergebnisse werden in der Regel als ausreichender Beweis für das Vorhandensein der nachgewiesenen Substanz anerkannt. Der Schwachpunkt bei dieser Methodik liegt darin, dass die benötigten Gerätschaften sehr teuer sind und die Interpretation der ermittelten Daten hoch entwickelter Qualifikation bedarf. Wenn Loboratorien auf Fremdpersonal für die Durchführung von Dopingtests zurück greifen, könnte es theoretisch vorkommen, dass eine unzureichend qualifizierte Person die ermittelten Daten auswertet. Während die Wissenschaftler sich darüber einig sein können, dass ein Sportler verbotene Substanzen verwendet hat, könnte ein Anwalt auf juristischer Ebene Zweifel bezüglich der Gültigkeit des Testergebnisses geltend machen, was dazu führen könnte, dass der Sportler auf diesem Weg den Test überlistet.
Schlussbemerkung
Nach der Lektüre dieser Artikelserie sollte dem Leser klar geworden sein, wie schwer es ist, ein (rechts-) gültiges Dopingtestprogramm einzuführen und aufrecht zu erhalten. Sportler mit Zugang zu den richtigen Quellen werden immer einen unfairen Vorteil gegenüber anderen haben, denen dieser Zugang nicht zur Verfügung steht. Aus diesem Grunde haben Philosophen manchmal argumentiert, dass Dopingtests nicht zur Fairness beitragen. Die Diskussion darüber, ob diese Tests nun wirklich fair sind oder nicht, sollte man besser den Philosophen überlassen.
|
 |
|
|
Aktuelles Datum und Uhrzeit: 06.07.08 | 14:29
Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
|
|