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Die Geschichte der Dopingtests im Sport, 2/3
Verfasst am: FTW @ 15.05.07 | 17:01  

Autor: Annonym
Übersetzer: bulkolly

Teil 2

http://www.mesomorphosis.com/articles/anonymous/drug-testing-and-sports-02.htm
Dies ist Teil 2 einer dreiteiligen Artikelserie. Der erste Teil konzentrierte sich auf die formalen Abläufe von Dopingtests beim Sport, insbesondere auf internationaler Ebene. Dieser Teil setzt die Betrachtung der formalen Prozeduren fort und Teil drei wird die Taktiken behandeln, die von Sportlern verwendet werden, um positive Dopingtests zu umgehen. Dieser Artikel spiegelt die persönlichen angesammelten Erfahrungen des Autors wieder, der bei Dopingtests für eine ganze Reihe von Sportarten involviert war. Auch wenn das Arsenal der von Sportlern verwendeten Medikamenten und Substanzen sehr viel größer ist, befasst sich diese Artikelserie hauptsächlich mit der Verwendung anaboler androgener Steroide (AAS).

Anerkannte Laboratoren für Dopingtests
Zum heutigen Zeitpunkt hat das IOC 25 Laboratorien für die Ausführung von Dopingtests zugelassen und bevollmächtigt. Es gibt 3 in Nordamerika (eins in der University of California in der Los Angeles School of Medicine, eins in der Indiana University School of Medicine, und eins in Montreal, Quebec), je eins in China, Korea, Australien, Japan, und Südafrika. Die restlichen Laboratorien befinden sich in Europa. Sobald die Entscheidung getroffen wurde, ein Laboratorium einzurichten, dauert es zwei oder die Jahre, um die notwendigen Methoden zu entwickeln und die benötigten Erfahrungen zu sammeln. Zurzeit werden Laboratorien in Ungarn, Polen, Malaysia, Puerto Rico, Brasilien, Zimbabwe, Indonesien und in der Türkei neu eingerichtet.

Das IOC stellt einige Anforderungen an diese Laboratorien. Sie müssen ein Programm zum Nachweis ihrer Fähigkeiten nachweisen und eine jährliche Anerkennungsprüfung bestehen, welche so gestaltet ist, dass sie recht schwer zu bestehen ist. Weiterhin ist ein einwöchiges wissenschaftliches Treffen mit dem IOC vorgesehen. Die IOC Laboratorien in den vereinigten Staate und einige kommerzielle Laboratorien sind auch vom College of American Pathologists for athletic drug testing anerkannt. Das IOC plant, dass jedes von ihm anerkannte Labor dem International Standards Organization accreditation program beitreten muss. Zusätzlich zur genauen Einhaltung des Testprotokolls verlangt das IOC die Einhaltung eines Ethikcodex, der es verbietet Proben zu testen, die nicht von einem anerkannten Sportprogramm stammen. Laboratorien, die diesen Ethikcodex nicht einhalten, riskieren Sanktionen von Seiten des IOC. Mit anderen Worten bedeutet dies, dass IOC Laboratorien keine Proben von Sportlern untersuchen dürfen, die auf diesem Wege herausfinden wollen, wie man die Entdeckung leistungssteigernder Substanzen im Urin verhindern kann.

Positive Dopingtests und Diskretion
Eine Auswahl von Offiziellen und Sportlern überprüft positive Dopingtests. In strittigen Fällen kann dies zu einer Anhörung, zu einer Anrufung eines Schiedsgerichts und zur Anrufung von Gerichten auf nationaler oder internationaler Ebene führen. Sportvereinigungen, speziell in den USA, legen großen Wert auf einer Verfeinerung und genauen Durchführung der Abgabe, des Transports und der Testprozeduren einer Probe. Im Falle eines positiven Testergebnisses der „A“ Probe kann der Sportler fordern bei der Untersuchung der „B“ Probe anwesend zu sein um zu Überprüfen, dass sich die Probe in dem intakten versiegelten Zustand befindet, in dem er sie abgegeben hat. Alternativ kann er auch einen Vertreter zur Überprüfung der „B“ Probe schicken, bevor diese getestet wird.
Im Allgemeinen werden Sportler von ihrer Sportorganisation über jeden Verstoß gegen den medizinischen Kodex informiert und haben dann das Recht auf eine Anhörung und einen juristischen Beistand. Der Name des positiv getesteten Sportlers sollte auf jeden Fall vertraulich behandelt werden. Wenn man sich jedoch das Interesse der Medien an positiven Dopingtests ansieht, ist diese Diskretion in der Realität nur schwer aufrecht zu erhalten. Der Grund für diese vorläufige Geheimhaltung ist, dass neue Erkenntnisse den positiven Befund kippen könnten. Selbst in Fällen, bei denen die Schuld des Athleten anscheinend zweifelsfrei bewiesen war, konnte einigen Fällen in der Vergangenheit die entsprechende Testprozedur aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse angefochten werden. Es gibt veröffentlichte Berichte über unbeabsichtigte Einnahmen verbotener Substanzen durch den Verzehr natürlicher Produkte. Ein Beispiel war ein positiver Test auf Opiate, welche im Urin nachgewiesen werden konnten, welche jedoch durch den Verzehr von Mohnbrötchen in den Körper gelangten. Nach dieser Entdeckung wurden die Tests so weit verfeinert, dass sie Opiatmetabolite nachweisen müssen, die nur nach der Zufuhr opiathaltiger Medikamente entstehen können. Es kam auch zu positiven Tests, nachdem Geflügel verzehrt wurde, welches mit Injektionen anaboler Steroide in das Fettgewebe behandelt wurde, oder nach dem Verzehr von Tieren, welche mit Clenbuterol behandelt wurden. Aus diesem Grund sollten die Testergebnisse aus dem Labor Gegenstand einer wissenschaftlichen Überprüfung sein, bevor weitere Schritte durch die verantwortlichen Sportorganisationen unternommen werden und Sanktionen gegen den Sportler ausgesprochen werden, der bezüglich eines Dopingverstoßes unter Verdacht steht.

Die Reaktion der Sportorganisationen auf einen positiven Dopingtest
Was mit einem Sportler geschieht, nachdem er positive auf eine verbotene Substanz getestet wurde, hängt von der verwendeten Substanz und der entsprechenden Sportorganisation ab. Anabole androgene Steroide (AAS), Betablocker und Amphetamine werden als die schwersten Verstöße angesehen und aus diesem Grund sind auch die Strafen entsprechend hoch. Ein Anderer Fall liegt vor, wenn der Urin eines Sportlers Spuren einer verbotenen Substanz enthält, die rezeptfrei erhältlich ist oder die Leistungsfähigkeit für die entsprechende Sportart eher behindert. Ein Beispiel hierfür wären Stimulanzien, welche die Leistungen bei einem Schießwettbewerb wahrscheinlich eher verschlechtern als verbessern würden, aber trotzdem auf der Dopingliste der entsprechenden Sportorganisation stehen. In diesen Fällen kann es sein, dass unterschiedliche Sportorganisationen bei der Betrachtung dieser Möglichkeiten zu gegensätzlichen Ergebnissen kommen. Dieses Beispiel zeigt, wie kompliziert und verwirrend Dopingtests für Sportler sein können, die bei verschiedenen Organisationen antreten. Solche Diskrepanzen bei der Art der Sanktionen potenzieren die Möglichkeit für ein positives Testergebnis auf vom IOC verbotene Substanzen. Der Sportler bekommt die Bürde auferlegt, die Regeln und Sanktionen für seinen Sport und die Sportorganisation bei der er antritt genau zu kennen und zu verstehen.

Auf olympischer Ebene mögen die IOC Regeln klar definiert sein, sie gelten jedoch nur für die olympischen Spiele. Außerhalb der olympischen Spiele hat jede nationale oder internationale Sportorganisation ihre eigenen Regeln. Während alle Organisationen theoretisch nach den IOC Regeln handeln sollten, ist diese Vorgehensweise in der Praxis noch weit von der Realität entfernt. Augenblicklich arbeitet eine IOC Gruppe daran, eine Übereinstimmung bezüglich der Regeln bei olympischen Sportarten zu erreichen. Weitere Probleme rühren daher, dass auf nationaler Ebene diese Vereinbarungen von den verschiedenen nationalen Organisationen anerkannt werden müssen. Anschließend müssen diese Vereinbarungen zwischen nationalen Vereinigungen und internationalen Vereinigungen abgestimmt werden. Einige nationale Sportorganisationen befolgen die Regeln ihres internationalen Dachverbandes strikt, doch andere tun dies vielleicht nicht, da es keine klar definierten internationalen Regeln gibt.
Das abschließende Urteil hängt von der Art des Wettkampfes und der entsprechenden Sportart ab. Bei den olympischen Spielen kann der Urteilprozess einige Stunden lang dauern. In Amerika kann ein Sportler, der mit der Entscheidung nach der ersten Anhörung nicht zufrieden ist, die American Arbitration Association anrufen. Auf internationaler Ebene kann ein Sportler das International Court of Arbitration for Sport (internationals Sportgericht) anrufen.

Verteidigungsstrategien bei positiven Testergebnissen
Im Falle eines positiven Dopingtests geben manche Sportler die Verwendung verbotener Substanzen zu, doch die meisten Sportler verneinen die Einnahme dieser Substanz und schieben das positive Testergebnis auf eine Reihe von Fehler, Unterbrechungen der vorgeschriebenen Lagerungskette, Laborfehler oder Sabotage. Die Abgabe der Urinprobe ist ein Bereich, bei dem es theoretisch zu Unregelmäßigkeiten kommen könnte, doch diese Fehler sind in der Regel vernachlässigbar (z.B. falsches Datum) und beinträchtigen das Testergebnis nicht maßgeblich. Der Transport und die Abgabe der Probe beim Labor ist ein einfacher Prozess und stellt in der Regel kein Problem dar. Bisher konnten auch Experten niemals die Daten eines in den USA ansässigen Labors widerlegen, auch wenn sehr genaue Untersuchungen durchgeführt wurden. Sabotage ist möglich und sollte deshalb nicht ausgeschlossen werden, doch der Nachweis ist nur selten Möglich. Als Vorsichtsmaßnahme wird Sportlern geraten, nur aus original verschlossenen Behältern zu trinken, welche von den Offiziellen im Rahmen des Wettkampes zur Verfügung gestellt werden. Da die Sportorganisationen der Verhinderung von Sabotage skeptisch gegenüber stehen, würden sie Hinweise auf Sabotage berücksichtigen und genau prüfen. Es gibt jedoch keine dokumentierten Fälle von Sabotage in der juristischen oder medizinischen Fachliteratur.

Wenn das positive Testergebnis sich auf eine verbotene Substanz bezieht, die in einem rezeptfreien Medikament enthalten ist, akzeptieren Sportler oft das positive Testergebnis auf der Basis von Unwissenheit oder fehlendem Wissen, dass dieses Produkt verbotene Substanzen enthält. Abhängig von den Umständen und der Menge der Substanz, die im Urin nachgewiesen wurde, kann diese Erklärung akzeptiert werden oder auch nicht. Wenn jedoch ein weiter Vorfall dieser Art eintritt, dann werden gegen diesen Sportler in der Regel Sanktionen verhängt. In vergangenen Fällen, bei denen das Testosteron zu Epitestosteron Verhältnis (T/E) erhöht war, haben Sportler versucht dies mit der Einnahme von frei verkäuflichen Supplements zu erklären, welche eine Kraftsteigerung versprechen und laut Etikett Drüsenextrakte oder Prohormone enthalten. Der Testosterongehalt von Produkten, die Drüsenextrakte enthalten ist jedoch sehr gering und die Bioverfügbarkeit dieser oral zugeführten Stoffe auch. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich erscheint, dass diese Produkte den Testosteronspiegel erhöhen, könnte jedoch bereits die theoretische Möglichkeit, dass dies geschehen könnte dazu verwendet werden, um Zweifel am Testergebnis hervorzurufen. In der letzten Zeit wurden positive Dopingtests auf Prohormone zurück geführt und aus diesem Grunde haben viele Sportorganisationen Prohormone auf die Liste der verbotenen Substanzen gesetzt. Aus diesem Grunde dürfte es in der Zukunft bei positiven Dopingtests keine Nachsicht mehr geübt werden.

Ergebnis eines Dopingtests
Olympische Ebene

Die vom IOC akkreditierten Laboratorien berichten jährlich über die Anzahl der getesteten Proben und aufgeschlüsselt nach Sportart und Substanz über die Anzahl positiver Dopingtests. Es gab in der Vergangenheit Bestrebungen die Anzahl der pro Jahr getesteten Proben durch kurzfristig angekündigte Kontrollen oder Kontrollen ohne Vorankündigung zu erhöhen. Zurzeit hat sich der Anteil der Proben, in denen AAS nachgewiesen werden konnten, bei etwa 1% aller Proben eingependelt.

Während der olympischen Spiele im Jahre 1996 wurden zum ersten mal hoch auflösende massenspektoraphische Untersuchungen (HRMA) für die Suche nach AAS eingesetzt. Bei ungefähr 18% der Sportler wurden unmittelbar nach dem Wettkampf Urinproben genommen und getestet. Zusätzlich hierzu wurden viele Sportler vor ihrer Abreise zu den olympischen Spielen von ihren nationalen Sportorganisationen getestet. Einige Elitesportler wurden mit kurzer Vorwarnzeit von internationalen Verbänden direkt vor den Spielen getestet. Während der Spiele wurden praktisch alle Medaillengewinner getestet und auch weitere 1 bis 2 schlechter platzierte Sportler wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und getestet. Während der Ausscheidungsrunden wurden Sieger und Verlierer nach dem Zufallsprinzip für Dopingtests ausgewählt, so dass jeder Sportler das gleiche Risiko hatte getestet zu werden. Bei Mannschaftssportarten wurden bei den Semifinal- und Finalrunden je zwei Mitglieder eines jeden Teams zufällig ausgewählt. Während der Vorrunden wurden bei Mannschaftssportarten nach dem Zufallsprinzip einzelne Partien ausgewählt und je ein Mitglied beider Mannschaften getestet. Diese zufällige Auswahl erfolgte typischerweise gegen Ende einer Begegnung und die Proben wurden unmittelbar nach dem Wettkampf eingesammelt. Für die zufällige Auswahl wurde ein Zufallsgenerator verwendet und die gesamte Prozedur wurde von offiziellen Vertretern des IOC überwacht.
Nach der Auswahl und der positiven Identifikation anhand der Identifikationsmarke des Sportlers wurde dieser von ausgewählten Offiziellen ständig begleitet, bis er schließlich bei der Teststation eintraf. Der Sportler musste sich innerhalb einer Stunde nach der Benachrichtigung bei der Teststation melden. Die Urinprobe wurde unter direkter Überwachung abgegeben und unter Einhaltung der genau festgelegten Abläufe schnellstmöglich zum Testlabor transportiert. Innerhalb von 24 Stunden teilte das Labor der medizinischen Kommission des IOC die Testergebnisse der Probe mit. Im Falle eines positiven Testergebnisses leitete die medizinische Kommission des IOC eine Anhörung mit dem getesteten Sportler und Vertretern seiner Sportorganisation und seines Landes ein. Nachdem alle Seiten ihre Sicht des Falles dargelegt hatten, beriet das medizinische Komitee des IOC über den Fall und unterbreitete dem Vorstand des IOC anhand seiner Entscheidung einen Vorschlag für die weitere Vorgehensweise. In schweren Fällen, wie z.B. dem Nachweis anaboler Steroide, lautete die Empfehlung den Sportler und verantwortliche Personen aus dem olympischen Dorf zu verweisen.

Vereinigte Staaten
Im Jahre 1984 fing das USOC als erste Sportorganisation Amerikas damit an Dopingtests durchzuführen. Seit dem Beginn diese Dopingtests hat das USOC bei allen größeren Sportveranstaltungen angekündigte Tests in einem Rahmen von 3500 Test pro Jahr durchgeführt. Etwa 70% dieser Tests wurden bei männlichen Sportlern durchgeführt. Die Anzahl der positiven Testergebnisse auf Steroide und verwandte Substanzen hat von 1992 bis 1995 kontinuierlich abgenommen. Von 1984 bis 1996 wurden 128 Proben von angekündigten Dopingtests positiv auf Steroide und steroidhemmende Substanzen getestet (hiervon 10 bei weiblichen Sportlern). In 12 Proben wurden Diuretika nachgewiesen und 5 Proben enthielten Betablocker. In 15 Proben fanden sich Narkotika (zumeist Codein und Propoxyphen) und 365 getestet Proben (entsprechend 0,89% aller getesteten Proben) enthielten Stimulanzien. Da das USOC sowohl bei nationalen als auch bei internationalen Wettkämpfen, die in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurden, Dopingtests durchführte beziehen sich die genannten Zahlen nicht nur auf amerikanische Sportler. Weiterhin sind in diesen Zahlen keine Tests enthalten, die bei USOC Sportlern in anderen Ländern durchgeführt wurden.

NFL (National Football League)
Die NFL begann zwischen 1985 und 1986 mit dem Testen auf illegale Substanzen und AAS. Seit 1990 haben die UCLA und die Indiana University zusammengenommen etwa 8000 Proben pro Jahr, die das ganze Jahr über bei ca. 2400 Sportlern genommen wurden, auf AAS untersucht. Der Auswahlprozess für diese Tests basiert auf dem Zufallsprinzip, so dass jeder Spieler zu jedem Zeitpunkt mit einem Test rechnen muss. Während der Saison (August bis Januar) wird jede Woche ein bis zweimal pro Woche eine immer gleiche Anzahl von Spielern aus jedem Team ausgewählt. Außerhalb der Saison werden die zufallsbasierten Tests fortgesetzt und jeder Spieler kann jederzeit getestet werden. Dieser zufällige Auswahlprozess führt dazu, dass jeder Spieler im Durchschnitt viermal pro Jahr getestet wird (minimal einmal, maximal achtmal).

NCAA (National Collegiate Athletic Association)
Im Allgemeinen werden die Testprozeduren der NCAA in Übereinstimmung mit Reihe strikter Richtlinien durchgeführt. Sportler werden bei wichtigen Ereignissen wie z.B. Wettkämpfen auf nationaler Ebene auf Steroide getestet. Zusätzlich hierzu werden die Sportler auch auf andere Kategorien von Substanzen wie z.B. Marihuana, Kokain und Stimulanzien getestet. In der Vergangenheit wurden Schulen öffentlich an den Pranger gestellt, wenn einer ihrer Spieler positiv getestet wurde. Aus diesem Grunde haben einige Schulen damit begonnen, eigene Testprogramme einzuführen. Daten aus verschiedenen Quellen deuten darauf hin, dass auf der College Ebene bei allen männlichen Disziplinen wie Football, Basketball, Leichtathletik, Baseball und Schwimmen sowie bei den weiblichen Sportarten wie Schwimmen, Leichtathletik, Tauchen und Softball Steroide zum Einsatz kommen. Unterschiedliche Studien, die im Laufe der Jahre durchgeführt wurden, geben Werte zwischen 5% (1994) und 15% (1995) für den Anteil der College Sportler an, die AAS verwenden. Der niedrige Wert stammt aus einer Studie, die von der NCAA im Jahre 1994 finanziert wurde. Viele Forscher waren damals der Ansicht, dass dieser Prozentsatz zu niedrig angesetzt war. Die später durchgeführte Studie zeigte, dass diese Vermutung den Tatsachen entsprechen könnte.

Im Jahre 1985 wurden 32 Footballspieler aus Vanderbilt wegen Verkauf und Weitergabe von Steroiden angeklagt. Im Jahre 1986, nach vielen Jahren mit Gerüchten über einen weit verbreiteten Missbrauch leistungssteigernder Substanzen, entschied sich die NCAA Dopingtests für alle wichtigen Football Meisterschaftsspiele und bei Meisterschaften in anderen Sportarten für Männer und Frauen einzuführen, um sowohl den Missbrauch anaboler Steroide als auch den Missbrauch von Amphetaminen zu unterbinden. Vor diesem Zeitpunkt konnten Sportler Steroide von ihrem Trainer oder den Teamärzten erhalten. Wenn man sich mit Sportlern aus dieser Zeit (1970-er bis zu den frühen 1980 –ern) unterhält, erzählen viele von ihnen, dass sie ihre AAS von ihrem Trainer bekommen haben. Wenn man sich jedoch die statistischen Daten ansieht, deuten die Ergebnisse vieler Studien darauf hin, dass die meisten Sportler ihre AAS aus anderen medizinischen Quellen außerhalb der Mannschaft bezogen. Ich vermute, dass diese Diskrepanz dadurch zustande kommt, dass viele Sportler sich selbst oder ihre Quellen schützen wollen. Diese Diskrepanz könnte jedoch auch Schwachstellen bei umfragebasierten Studien hinweisen. Wenn man eine Gruppe Sportler danach befragt, ob sie selbst verbotene Substanzen verwenden oder ob sie der Meinung sind, dass jemand anderes in ihrem Sport dies tut, dann ist es schwer eine unbefangene Antwort zu bekommen. Hierbei spielen auch all die negative Publicity über den Missbrauch nnaboler Steroide in der Presse, die Tatsache, dass die Verwendung anaboler Steroide ohne Ärztliche Verordnung illegal ist und die Anweisungen der NCAA an ihre Sportler, den Missbrauch anaboler Steroide zu leugnen, eine Rolle. Den Sportlern ist bewusst, dass sie, falls sie zugeben würden, dass andere Teammitglieder illegale Substanzen verwenden, selbst unter Verdacht geraten würden.
Vor 1990 war es die gängige Praxis, dass ein Sportler vorab informiert wurde, dass er zu einem bestimmten Datum getestet würde. Dies bedeutete, dass der Sportler im Voraus wusste, wann er, was immer er nahm, absetzen musste, um ein positives Testergebnis zu vermeiden. Wenn er der Meinung war, dass er den Test nicht bestehen würde, konnte er einfach zu seinem Teamarzt gehen und sagen, dass er sich krank fühlte. In diesem Falle konnte der Arzt ihn nach Hause schicken, wo er sich auskurieren sollte. Der Test wurde dann abgesagt. Diese Tests fanden sehr unregelmäßig statt und es konnte ein Monat oder mehr vergehen, bis der Sportler zum nächsten Test einberufen wurde. Er hatte als ausreichend Zeit, um alles, was er einnahm, so rechtzeitig anzusetzen, dass er zum Zeitpunkt des Tests kein positives Ergebnis befürchten musste. Zusätzlich hierzu wurden alle Dopingtests außerhalb der Saison durchgeführt. Wenn also ein Sportler zu Beginn der Saison verbotene Substanzen einnahm, konnte er diese kurz vor dem Ende der Meisterschaft oder direkt danach absetzen und so einen Dopingtest jederzeit bestehen.

Im Jahre 1990 wusste die NCAA, dass ihr Dopingtestprogramm nicht funktionierte. Die abschreckende Wirkung hatte nachgelassen und erfahrene Sportler wussten, dass bestimmte Substanzen bis einige Tage vor den Tests verwendet werden konnten, ohne dass es zu einem positiven Test kam. Um weiterhin von der Verwendung verbotener leistungssteigernder Substanzen abzuschrecken, führte das NCAA in der I-A und I-AA Football Liga ganzjährige Tests ein. Zum Zeitpunkt der Einführung verwendeten Sportler jedoch schon längst Probenecid (ein die tubuläre Rückresorption der Harnsäure in der Niere hemmendes Medikament), Epitestosteron, Diuretika, Wachstumshormone und andere maskierende Substanzen. Die chemische Wirkungsweise dieser Substanzen wird in Teil drei dieser Artikelserie näher betrachtet. An dieser Stelle möchte ich nur hervorheben, dass Probenecid verhindert, dass die Nieren Steroide oder andere illegale Substanzen ausscheidet und dass eine Zufuhr von Epitestosteron das Testosteron : Epitestosteron Verhältnis verringert. Beides führt dazu, dass ein Dopingtest auf bestimmte Substanzen negativ ausfällt. Diuretika verdünnen die Urinprobe und Wachstumshormone waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht nachweisbar.
Heute zutage werden die Dopingtests für die NCAA auf die vom IOC anerkannten Laboratorien am UCLA und der Indiana University aufgeteilt. In den letzten Jahren wurde 73% bis 83% aller NCAA Dopingtests (9000-12000 pro Jahr) kurzfristig angekündigt (48 Stunden oder kürzer vor dem Test). Die verbleibenden Tests wurden ohne Ankündigung durchgeführt und teilten sich auf männliche Sportler, die beim Football oder anderen Sportarten antraten uns weibliche Sportler auf, wobei bei letzteren 14% dieser Tests durchgeführt wurden. Mehr als 90% der Footballspieler und Leichtathleten wurden ohne Vorankündigung getestet.

Teil 3/3 in Kürze!

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