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| Verfasst am: FTW @ 20.02.07 | 14:50 |
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Original von Patrick Arnold, übersetzt von User bulkolly
Originalartikel: http://www.mesomorphosis.com/articles/arnold/steroids-and-sexual-function.htm
Pat war verantwortlich für die Einführung mehrerer innovativer Produkte durch LPJ Resaerch und Ergopharm. Diese Produkte umfassen die ersten kommerziellen Varianten von Androstenedione, 1-AD, 6-OXO, 4-Androstenediol, und 19-Norandrostenediol. Zusätzlich hierzu ist er für die Einführung innovativer Träger- und Zuliefersysteme für Prohormone verantwortlich, welche unter anderem HPB Cyclodextrin, bioadhesive Technologien für eine verzögerte Wirkstofffreigabe und Sprays mit verzögerter Wirkstoffabgabe umfassen
Androgene Hormone wie Testosteron und anabole Steroide (genauso wie auch Prohormone) werden seit langem von Sportlern für den Aufbau von Kraft und Muskelmasse eingesetzt. Die anabole Wirkung auf die Muskulatur ist jedoch nicht die einzige physiologische Wirkung, welche diese Hormone besitzen. Diese Substanzen können Menschen, die nicht an größeren Muskeln interessiert sind, andere Vorteile bieten, welche ihren Einsatz rechtfertigen könnten. Diese Wirkungen umfassen die Verbesserung des allgemeinen seelischen Zustands und eine Optimierung der Libido und der sexuellen Funktion.
Biochemischer Hintergrund
Testosteron ist im menschlichen Körper das primäre androgene Hormon. Es entfaltet seine Wirkung auf den Körper sowohl direkt als auch über eine Konvertierung in seine Metabolite (DHT, Östradiol usw.). Androgene und andere Steroidhormone entfalten ihre Wirkung primär durch ein Andocken an spezifische Rezeptoren, welche sich im Zytosol (Zellplasma) der Körperzellen befinden. Durch die Bindung an den Rezeptor bilden diese Hormone einen Komplex, der dann in den Nukleus der Zelle wandert, wo er mit der DNA interagiert um die Bildung spezieller Proteine zu fördern, welche die eigentlichen biologischen Veränderungen steuern.
Innerhalb des Zentralen Nevensystems (ZNS) befinden sich an speziellen Punkten hohe Konzentrationen von Androgenrezeptoren. Androgene und andere Steroidhormone sind in der Lage die Blut Hirn Schranke zu überwinden und mit den zugehörigen zytostolischen ZNS Rezeptoren zu interagieren. Im Hypothalamus und der äußeren Hirnanhangdrüse befindet sich eine hohe Dichte von Androgenrezeptoren, welche bei der Regulierung der Ausschüttung körpereigener Androgene und anderer Hormone, die eine Vielzahl unterschiedlicher biologischer Funktionen steuern, mitwirken. Androgenrezeptoren befinden sich auch in der Großhirnrinde, dem Rückenmark und der Amygdala (Die Amygdala, auch Mandelkern genannt, ist ein Kerngebiet des Gehirns im medialen Teil des Temporallappens, welches für Empfindungen wie Angst und Aggression verantwortlich ist). Die spezifische Funktion der Androgenrezeptoren in diesen Bereichen ist noch nicht vollständig erforscht.
Die Prozesse der Androgenwirkung, die eine Bindung an einen Rezeptor und die DNA Translation beinhalten, werden als rezeptorgesteuerte oder genomische Hormonwirkungen bezeichnet. Es gibt jedoch auch weniger bekannte Wirkungen von Steroidhormonen, die von ihrem Mechanismus her nicht genomisch sind. Nichtgenomische Wirkungen treten insbesondere im zentralen Nervensystem auf, wo sie in Kombination mit genomischen Wirkungen bestimmte Effekte hervorrufen.
Nichtgenomische Wirkungen von Steroidhormonen unterscheiden sich auf eine wichtige Art und Weise von genomischen Wirkungen. Genomische Wirkungen werden erst nach einer längeren Zeitspanne (Tage) sichtbar, da sie einen komplexen Kette von Ereignissen benötigen (Bindung, Translation, Transkription, Ansammlung aktiver Enzymprodukte), bevor die Physiologie des Zielorgans verändert werden kann. Im Gegensatz hierzu treten nichtgenomische Wirkungen nach einer sehr geringen Zeitspanne (< 1 Minute) auf, da ihre Wirkung eine sofortige Anpassung der Zellmembran (insbesondere von Nervenzellen) beinhaltet. Diese Veränderungen der Zellmembran können Veränderungen der Durchlässigkeit, oder die Öffnung Ligand gesteuerter Ionenkanäle umfassen. Das Resultat ist ein schneller und signifikanter Einfluss auf die Aktivität von Schlüsselbereichen des Gehirns. Die Relevanz dieser Wirkung sollte bei der medizinischen Anwendung androgener Hormone oder Prohormone nicht übersehen werden.
Parakriner Stoffwechsel
Bisher habe ich nur die grundlegenden Mechanismen der androgenen Wirkung im zentralen Nervensystem behandelt. Es gibt hierbei jedoch noch einen weiteren sehr wichtigen Aspekt, der die Aktivierung von Androgenen an Zielen des zentralen Nervensystems durch enzymatischen Metabolismus betrifft. Im Speziellen ist hier die Konvertierung von Testosteron in seine zwei wirkungsstärksten Metabolite Dihydrotestosteron (DHT) und Östradiol gemeint.
Eine Tatsache, welche von den meisten Menschen nicht wahrgenommen wird, ist, dass obwohl Testosteron ein aktives Hormon ist, seine eigentliche Funktion in einigen der wichtigsten Bereiche des Körpers und des Gehirns die eines Prohormons ist. Es gibt überall im zentralen Nervensystem Bereiche, die reich an 5 alpha-Reduktase, Aromatase oder beiden sind. Dies ist insbesondere in den Bereichen des zentralen Nervensystems der Fall, die mit der Libido im Zusammenhang stehen. In diesen Bereichen muss Testosteron erst konvertiert werden, bevor es seine Wirkung entfalten kann.
5 alpha-Reduktase kommt in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns, insbesondere in der weißen Hirnmasse, in hoher Konzentration vor und befindet sich dort im Myelin (der äußeren fettigen Umhüllung der Neuronen). Die 5 alpha-Reduktase wandelt Testosteron in DHT um, welches ein stärkeres Androgen als Testosteron darstellt. Als Resultat hieraus wird das androgene Signal von Testosteron in Körpergeweben, die reich an 5 alpha-Reduktase sind, verstärkt. Die Signifikanz der 5 alpha-Reduktion im Bezug auf die psychosexuelle Wirkung des Testosterons wird auf erschreckende Weise bei Personen deutlich, die Finasteride (Proscar, Propecia) aufgrund einer Prostatavergrößerung oder gegen androgenbedingten Haarausfall einnehmen. Bei einem beträchtlichen Teil dieser Personen tritt ungeachtet der leicht erhöhten Menge des zirkulierenden Testosterons als Nebenwirkung ein Verlust an Libido und sexueller Funktion auf.
Die Aromatase ist das Enzym, welches die Konvertierung von Androgenen (Androstenedione, Testosteron) in Östrogen katalysiert. Die Aromatase kommt in bestimmten Bereichen des Gehirns in hoher Konzentration vor (oft in Verbindung mit 5 alpha-Reduktase), insbesondere in Bereichen, die für die neuroendokrine Steuerung der Gonadotropin Ausschüttung und des sexuellen Verhaltens zuständig sind. Androgene sind dafür bekannt, dass sie für die Sexualität essentiell wichtig sind, doch ohne das begleitende Vorhandensein von Östrogen sind sie nahezu wirkungslos. Studien konnten eigen, dass die Unterdrückung der Östrogenbildung mit Hilfe von Aromatasehemmern, oder aufgrund eines angeborenen Aromatasedefekts, das sexuelle Verlangen und die sexuelle Funktion stark reduzieren, und das auch wenn normale oder hohe Androgenspiegel vorhanden sind.
Ostdeutsche Forschung
Eine Gruppe ostdeutscher Forscher hat die wahrscheinlich am besten durchdachten „praktischen“ Untersuchungen bezüglich der positiven psychologischen Wirkungen von Androgenen durchgeführt. Ihre Untersuchungen konzentrierten sich weniger auf die sexuellen Wirkungen von Androgenen, sondern mehr auf das, was sie als „psychophysikalischen“ Eigenschaften bezeichneten.
Die psychophysiologische Kapazität wurde von den Forschern als die Kapazität eines Individuums mit Stress (auf physikalischer, mentaler und emotionaler Ebene) umzugehen definiert. Diese Kapazität wird durch die Fähigkeit zur Aktivierung der entsprechenden Bereiche im zentralen Nervensystem bestimmt. Die psychophysiologische Kapazität kann ausgewertet werden, indem eine Person stressartigen Stimulationen ausgesetzt wird und Veränderungen der Frequenz der alpha Wellen im EEG betrachtet werden. Die Forscher fanden heraus, dass es bei Personen, welche mit den entsprechenden Stressfaktoren gut umgehen können, speziell bei physikalischem oder psychischem Stress zu einer Erhöhung dieser Frequenz um 4 bis 6 Herz im Vergleich zum Ausgangswert kommt. Wenn die Stressbelastung zu hoch wird, fällt die Frequenz der alpha Wellen nach einer anfänglichen Erhöhung um 4 bis 6 Herz wieder ab und kann auf Werte unterhalb des Ausgangsniveaus fallen.
Zu der Zeit, während diese Untersuchungen durchgeführt wurden, unterstützte die ostdeutsche Regierung Untersuchungen auf dem Gebiet der Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit massiv mit Geldern und wie der aufmerksame Leser vielleicht schon richtig vermutet hat, wurde auch die hier beschriebene Studie mit Sportlern als Probanden durchgeführt. Die Erhöhung der Frequenz der Alphawellen wird bei Sportlern nicht nur mit physikalischem Stress durch das Training oder einen Wettkampf in Verbindung gebracht, sondern auch mit den mentalen Anstrengungen, die mit der Vorbereitung auf einen Wettkampf oder dem Wettkampf selbst einhergehen. Die psychophysikalischen Kapazitäten von Sportlern, wie sie mit dem EEG gemessen werden können, werden durch Faktoren wie falsche Vorbereitung, Angst, Überanstrengung und störende persönliche Probleme negativ beeinflusst. Hierdurch leiden die sportlichen Leistungen dann oft ganz erheblich. Die Ostdeutschen glaubten nicht nur, dass es sehr wichtig ist, solche Stressfaktoren vor einem sportlichen Wettkampf zu vermeiden, sondern auch, dass sie einen Weg finden mussten, die individuelle psychophysiologische Kapazität zu erhöhen, um hierdurch die Fähigkeit mit den Stressbelastungen vor einem Wettkampf umzugehen zu verbessern (und natürlich mit der Stressbelastung durch den Wettkampf selbst).
Man sollte an dieser Stelle im Hinterkopf behalten, dass die Ergebnisse dieser Studie nicht nur auf Sportler anwendbar sind, sondern auch auf jede andere Person mit reduzierter psychophysiologischer Kapazität (z.B. ältere Menschen), oder Personen, die mit großen Stressbelastungen umgehen müssen (z.B. Studenten vor dem Examen).
Die ostdeutschen Forscher fanden heraus, dass eine angemessene Verabreichung androgener Hormone einen deutlichen Einfluss auf die psychophysiologische Kapazität hat. Substanzen, die zu diesem Zweck untersucht wurden, umfassten Mestanolon (methyl DHT), Oral-Turinabol (Dehydrochloromethyltestosterone), Testosteron und Androstenedione. Von besonderer Bedeutung waren hierbei Mestanolone und Androstenedione. Diese beiden Substanzen sind dafür bekannt, dass sie eine minimale anabole Wirkung auf die Muskelmasse haben, doch ihre Fähigkeiten die Stresskapazitäten des zentralen Nervensystems zu verbessern sind genauso stark oder sogar stärker ausgeprägt als bei Testosteron oder anderen androgenen / anabolen Steroiden.
Ein in der Literatur beschriebenes Beispiel beschreibt die orale Gabe von 10 mg Mestanolon an 54 Probanden, welche Langzeitstress ausgesetzt waren. Es wurde eine Erhöhung der Frequenz der Alphawellen um 4 Herz beobachtet, was mit einer starken Verbesserung der Leistungsfähigkeit bei Tätigkeiten, welche eine starke körperliche Anstrengung, mentale Konzentration uns physikalische Koordination bedürfen, in Verbindung stand.
Auch wenn sie sich als effektiv erwies, war die orale Verabreichung von Androgenen nicht die bevorzugte Technik der Ostdeutschen. Stattdessen wurde die nasale Verabreichung bevorzugt.
Aufgrund der örtlichen Nähe der Nasenpassage und des Gehirns vermuteten die ostdeutschen Forscher, dass eine Aufnahme im Bereich der Nase die Passage von Steroiden über die Blut-Hirn Schranke hinweg in die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit maximiert, wo diese Hormone dann für die Stimulierung genomischer und nichtgenomischer androgener Wirkungen auf das zentrale Nervensystem zur Verfügung stehen.
Die intranasale Verabreichung besitzt weiterhin den Vorteil, dass sich die Wirkung der verabreichten Substanzen sehr schnell entfaltet, was bei der Anwendung direkt vor dem Wettkampf von Vorteil ist. Aus den ostdeutschen Forschungsdaten geht hervor, dass der Steroidspiegel im Blut 15 Minuten nach der nasalen Verabreichung sein Maximum erreicht und danach innerhalb von 90 Minuten wieder auf seinen Ausgangswert abfällt. Die Steroidhormonspiegel im zentralen Nervensystem werden wahrscheinlich schon viel früher erhöht (Sekunden oder Minuten). Außerdem stellten die ostdeutschen Forscher fest, dass sich das Testosteron : Epitestosteron Verhältnis 24 Stunden nach der nasalen Verabreichung von Testosteron oder Androstenedione wieder normalisiert hat, was einen negativen Dopingtest zur Folge hat.
Prohormone für die Aktivierung des zentralen Nervensystems
Welche Bedeutung hat all dies für den Durchschnittsleser dieses Artikels? Es hat einiges an Bedeutung, da legale rezeptfreie androgene Prohormone so entwickelt und chemisch verändert wurden, dass sie eine androgene Wirkung auf das zentrale Nervensystem ausüben. Neben den bereits erwähnten Enzymen 5 alpha-Reduktase and Aromatase befinden sich in denselben Bereichen des Nervensystems auch hohe Konzentrationen der Enzyme, die Prohormone in aktive Androgene konvertieren (17 beta hydroxysteroid Dehydrogenase and 3alpha(beta) Dehydrogenase). Auch wenn die Verabreichung von Prohormonen nicht immer zu einem nennenswerten Anstieg der Blutspiegel androgener Hormone führt, kann es trotzdem zu einem starken Anstieg der androgenen Aktivitäten innerhalb des zentralen Nervensystems kommen. Aus diesem Grund können diese Prohormone als das zentrale Nervensystem ansprechende Version von Testosteron angesehen werden. Diese Prohormone stellen ein wertvolles Hilfsmittel dar, da sie in vielen Bereichen die psychophysiologischen und die Sexualität fördernden Eigenschaften von Testosteron besitzen, aber gleichzeitig nicht die systemische Toxizität, die mit einer Langzeitanwendung von Testosteron in Verbindung steht, mit sich bringen. Prohormone können auch starke unmittelbar spürbare Wirkungen entfalten, wenn man ihre Verwendung auf die Einnahme vor wichtigen körperlichen, mentalen oder sexuellen Aufgaben beschränkt. Die Kernaussage dieses Artikels ist, dass man Prohormone sicher einsetzen kann und dass sie für einen weit gefassten Personenkreis eine vorteilhafte Wirkung besitzen, und zwar unabhängig davon, ob der Muskelaufbau ein wichtiges Thema ist oder nicht.
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Quellen:
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Mattern C, Hacker R, "Medicament for Influencing the Degree of Activation of the Central Nervous System", German Patent Application DE9300473A1
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