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| Verfasst am: FTW @ 22.09.06 | 17:50 |
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Wundermittel im Bodybuilding
von lele
Dass Menschen immer den kürzesten Weg suchen, um an ihr Ziel zu gelangen, ist nichts Neues. Viele Bodybuilder suchen immer noch verzweifelt nach dem heiligen Gral und zahlen gigantische Summen an Geld um solche „Wundermittel“ zu konsumieren. Als die ersten Massemonster die Bühne betraten, sprach man von Somatropin bzw. neuartige Steroide. Selbsternannte Gurus gehen noch einen Schritt weiter und behaupten, andere Medikamente führten zu diesen dramatischen Ergebnissen. Im folgenden Artikel stelle ich euch drei solcher Medikamente vor. Sie sollen dramatische Ergebnisse in Bezug auf Muskel- und Kraftaufbau bzw. Fettabbau bringen. Doch was taugen sie? Dieser Artikel ist voll mit Studien und Fakten – keine Märchen oder Mythen
Bezüglich Muskelaufbau fallen mir die Insulin-Sensitzer bzw. Thiazolidindione/Glitazone (Thiazol-2,4-dion) ein. Sie gehören in die Gruppe der oralen Antidiabetika und werden zur Therapie von Diabetes Mellitus angewendet. Laut einigen Gurus soll dieses Medikament die Geheimwaffe der Massemonster sein. Man spricht von Massezuwächse und Gewinn von Magermasse. Fakt ist, dass die Glitazone laut dieser Studie zu einer Gewichtszunahme von 4-5 Kilo führten. (1).
Man sollte jedoch beachten, dass dieses Medikament den PPAR-Gamma (Peroxisme Proliferator-activated receptor gamma) aktiviert (2). Die PPAR Gamma befinden sich hauptsächlich in Fettzellen und steuern die Fettspeicherung. Was das heißt, sollte jedem klar sein - die Gewichtszunahme bestand hauptsächlich aus Fett.
Hinzu kommt noch, dass Glitazone den Leptinwert senkt (3).Hat man niedrige Leptinwerte, fühlt man sich oft müde, schwach und es erhöht die Anzahl und Intensität der Hungerattacken.
Sehr interessant ist auch die nächste Studie. Bei knapp 5% der Teilnehmer entwickelten sich Ödeme und auch das Unterhautfettgewebe entwickelte sich. Dies geschieht durch die Aktivierung des PPAR-Gamma (4).
Wassereinlagerungen, Fett und Ödeme haben sich prächtig entwickelt. Viel hat das nicht mit Magermasse zu tuen und deshalb verstehe ich den „Hype“ um dieses Medikament nicht. Da die Studien eindeutig sind, möchte ich nicht weiter darüber schreiben und widme ich mich gleich der nächsten „Wundersubstanz“ - den so genannten Kaliumkanalblockern (3,4-Diaminopyridine).
Kaliumkanalblocker gehören zu den Antiarrhythmika. Dies ist ein Oberbegriff für Medikamente, die zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden. Bodybuilder „nutzen“ sie, da sie angeblich die Ionenkanäle in Muskelzellen beeinflussen - es kommt zu Krauftaufbau. Ionenkanäle sind Transmembranproteine, die verantwortlich für die Erzeugung und Weiterleitung von elektrischen Signalen an Zellmembranen sind. Sie fungieren als Botenstoffe (z.B. Dopamin, Serotonin, Endorphine) und spielen eine Rolle bei der Signaltransduktion vom Nerv auf den Muskel. In der Tat, es hört sich alles hochtheoretisch und viel versprechend an.
Laut einer Studie (5) aus England gab man acht Patienten, die unter dem „Kongenitalen Myasthenie-Syndrom“ leiden, 3,4 Diaminopyridine. Es ist eine angeborene Störung der neuromuskulären Signalübertragung, was im Klartext bedeutet, dass die Impulsübertragung zwischen Muskel und Nerv gestört ist. Die Folge ist eine Muskelschwäche. Es wurde ein Fazit aus der Studie gezogen, das wie folgt aussieht: „Several patients showed improvement with 3,4-diaminopyridine, but this was generally only transient. Ephedrine was helpful in half of the patients.“
Einige der Patienten sprachen gut auf dieses Medikament an, aber der Erfolg war temporär. Mehr Erfolg erbrachte Ephedrin, bei der Hälfte der Teilnehmer verbesserte sich das Zusammenspiel zwischen Nerv und Muskel. Klar, die Studie ist an Menschen durchgeführt worden, die unter Muskelschwäche leiden. Trotzdem hört sich das derart realitätsnah an, denn viele unter uns benutzen gerne mal Ephedrin vor einem Gewichttraining, um höhere Gewichte stemmen zu können. Also liegt die Gewichtssteigerung nicht nur am aufputschenden Effekt des Ephedrins.
Auch in einer weiteren Studie (6) testeten Professoren die Wirksamkeit von 3,4 diaminopyridine auf die Signaltransduktion vom Nerv auf den Muskel. Es gab eine Placebo Gruppe und eine Gruppe, die Kaliumkanalblocker einnahm. In der Placebo Gruppe war kein Unterschied festzustellen, in der anderen Gruppe jedoch spricht man von: „…significantly greater improvement in the QMG score and in the summated amplitude of compound muscle action potentials recorded from three sentinel limb muscles” - zu Deutsch “signifikant stärkere Muskelglieder“. Hört sich nach einem recht potenten Medikament an.
Ist es auch, besonders in Bezug auf die Nebenwirkungen. Wer schon einen niedrigen Blutdruck hat und dennoch dieses Medikament einwirft, bei dem kann es unter Umständen zum Sinusstillstand (=Sekundenherztodes) kommen. Auch Aphasie und Bewusstseinsverlust sind typische Anzeichen. Viele Arzneimittelbehörden haben die Verwendung dieses Medikament bei Hypertonie-Notfällen (starker Bluthochdruck >140mmHg!!) nie gut geheißen, da der Nutzen dieser Medikation nicht genügend nachgewiesen ist.
Dass Profi Bodybuilder zum Teil astronomische Mengen an AAS zuführen, ist bekannt und der dadurch entstandene Bluthochdruck auch. Man schlägt quasi zwei Fliegen mit einer Klappe, man senkt den Bluthochdruck und nebenbei kommt es zu einem Kraftaufbau. Doch dass dieses Medikament etwas im Arsenal eines Hobby Bodybuilder zu suchen hat, wage ich zu bezweifeln und sehe davon ab, irgendwelche Dosierungen anzugeben.
Deshalb sprunghaft zum nächsten sehr interessanten Thema. Wir haben etwas für den Masse- und Kraftaufbau – doch was fehlt noch? Genau, etwas für den Fettabbau. Vielen entlocke ich mit den Worten Diät und Fettabbau einen Seufzer. Verständlich, denn viele unter euch sind Waschbrettbauchfreaks und wissen, wie schwer und mühsam so eine Diät sein kann. Fettleibigkeit ist mittlerweile eine Krankheit, auch wenn es Ärzte und Ernährungswissenschaftler nicht wahrhaben wollen. Laut Ihnen haben diese Menschen keinen Ehrgeiz und Willen, und es wird prompt ein Nahrungsplan aufgestellt, und das Problem ist aus der Welt geschafft. Die Realität zeigt jedoch ein anderes Bild, denn die Fettleibigkeit nahm in den letzten Jahren dramatisch zu. Natürlich haben wir schon einige Medikamente, die es einen erleichtern, ein „ripped“ Body zu erhalten. Doch gibt es etwas, was das Fett schmelzen und die Muskeln wachsen lässt?
Vielleicht die „Wunderwaffe“ PGF2-alfa (Prostaglandine)? Einige unter euch haben den Namen schon gehört, die wenigsten wissen was dran ist.
Es wird behauptet, es kommt zum lokalen Muskelwachstum, sowie Fettabbau durch die Erhöhung der Körpertemperatur. Das sind zwei höchstwillkommene Eigenschaften in Bodybuilderkreisen. Doch wie effektiv ist es wirklich?
PGF2-alfa ist ein natürliches Prostaglandin, dies wiederum sind Gewebshormone, die aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren gebildet werden. Ulf von Euler entdeckte sie gegen 1930 im menschlichen Sperma. Der Name Prostaglandin schien angebracht, da er dachte, dass sie in der Prostata entstand. Mittlerweile wissen wir, dass diese These falsch ist. Der Name hat sich seitdem trotzdem nicht mehr geändert.
In der Humanmedizin ist es seitens der FDA nicht zugelassen. In Deutschland genauso wenig (korrigiert mich, wenn ich falsch legen sollte). Deshalb sollte man PGF2 mit Vorsicht genießen. Frauen sollten ganz davon die Finger lassen, da es eine blitzschnelle Abtreibung hervorrufen kann. Andere Nebenwirkungen sind z.B. Benommenheit, Erhöhung der Körpertemperatur, Verwirrtheit, Durchfall, Erbrechen und Tachykardie, um nur einige zu nennen.
Momentan wird es hauptsächlich in der Veterinärmedizin eingesetzt, denn es synchronisiert/aktiviert eine Ovulation. Das einzige mir bekannte Präparat ist Lutalyse® - es kann subkutan oder intramuskulär injiziert werden.
Doch wie genau wirkt PGF2-Alpha?
Proteinsynthese
Prostaglandine sind dafür bekannt, die Proteinsynthese in der Skelettmuskulatur zu „regulieren“ (8). Auch für die so genannte Hypertrophie der Muskel sind Prostaglandine verantwortlich.
Neue Studien haben gezeigt, dass die Einheit, durch die mechanische Ausdehnung zu Prostaglandinproduktion und schließlich Muskelwachstum führt, die G-Proteine mit einbezieht, die in den Zellmembranen vorhanden sind. Diese G-Proteine erhöhen die Menge der Cyclooxygenase, das Enzym, das für das Bilden der Prostaglandine von der arachidonischen Säure verantwortlich ist.
Die Proteinsynthese wird in zwei Phasen aufgeteilt. Eine kurze und eine lange. Die „kurze“ Phase tritt auf, indem sie die Tätigkeit der vorhandenen Ribosomen (=Komplexe aus Proteinen und Ribonukleinsäuren) ändert. Dies geschieht innerhalb der ersten Minuten.
Die „lange“ Phase entsteht durch die Aktivierung verschiedener Hormone, die jeder von uns schon einmal gehört hat (9). Ich spreche da von Wachstumsfaktoren (HGH) und IGF-1.
Prostaglandine haben auch noch Auswirkungen auf andere Hormone wie z.B. Cortisol. Wie man weiß, wird überall propagiert, „man sollte den Cortisolspiegel unter Kontrolle halten“ Doch warum? Cortisol erzeugt die Produktion der Prostaglandine im Muskelgewebe über mindestens zwei Mechanismen. Zu einem hemmt Cortisol die Tätigkeit der Phospholipase A2. Phospholipase sind aber notwendig, um die arachidonische Säure für die PGF2 Produktion zu Verfügung zu stellen. Zum anderen blockiert es auch die Produktion des Cyclooxygenase innerhalb der Zellen. Wie vorhin erwähnt, ist Cyclooxygenase das Enzym, das arachidonische Säure in Prostaglandine umwandelt. Somit hemmt Cortisol das Muskelwachstum, indem es die PGF2-a während dem Training verhindert.
Das ist eine sehr vereinfachte Darstellung, die uns aber genügt. Dieses Gebiet ist sowieso nur spekulativ, da noch Erfahrungswerte am Menschen fehlen.
Lipogenese
PGF2a hemmt direkt die Lipogenese (Fettbildung). Wieder ist der Peroxisme Proliferator-activated receptor gamma (PPAR Gamma) in Spiel. PGF2 blockiert den PPAR Gamma durch Aktivierung der Mitogen-aktivierte Protein Kinase (die gleiche Kinase (=Enzyme)), die auch in der Insulintätigkeit eine Rolle spielt), mit dem Ergebnis der hemmenden Phosphorylierung von PPAR. Das heißt in der Theorie, man könnte soviel Kalorien zu sich führen wie man will, der Fettansatz bleibt aus.
Aber nicht täuschen lassen, denn es gibt weitere Prostaglandine, wie das PGJ2, welches den PPAR Gamma aktiviert und somit eine Fettspeicherung begünstigt.
Besonders in den amerikanischen Foren sind einige User hellauf begeistert. Das waren sie auch von Somatropin und wurden letztendlich enttäuscht, oder besser gesagt, die Substanz ist den Ansprüchen nicht gerecht geworden. Wie sich der Trend um PGF2-alpha entwickeln wird, bleibt abzuwarten.
Fazit
Sicherlich sind noch einige andere, für Bodybuilder interessante Medikamente in der Pipeline, von denen wir (noch) nichts wissen. Ich habe auch mal das Gendoping weggelassen, denn das geht doch sehr ins Mystische. Inwieweit hier die aufgelisteten Substanzen im Profi Bodybuilding eine Rolle spielen, ist reine Spekulation. Ich denke auch, dass diese Medikamente dem Hobby Bodybuilder kaum helfen, da die wenigsten an ihre Grenze stoßen und sie in der Regel mit anabolen/androgenen Steroiden gut bedient sind.
Lediglich das PGF2-Alfa könnte der „Hammer“ schlecht hin werden. Leider ist die Verfügbarkeit derzeit gleich Null - doch kommt Zeit, kommt Rat…
Coypright: lele
Quellen
(1) Akazawa,S, Fuyan,S, Ito,M, Kawasaki,E, Eguchi,K: Efficacy of troglitazone on body fat distribution in type 2 diabetes. Diabetes Care 23:1067-1071, 2000
(2) Berger,J, Bailey,P, Biswas,C, Cullinan,CA, Doebber,TW, Hayes,NS, Saperstein,R, Smith,RG, Leibowitz,MD: Thiazolidinediones produce a conformational change in peroxisomal-proliferator activated receptor-gamma: binding and activaton correlates with antidiabetic action in db/db mice. Endocrinology 137:4189-4195, 1996
(3) Spiegelman,BM: Adipogenic regulator and thiazolidinedion receptor. Diabetes 47:507-514, 1998
(4) Ludvik,B: Diabetes therapy related to etiology.Indications, uses and side effects of new insulin sensitizers. MMW Fortschr. Med. 142:27-28, 2000
(5) Brain. 2006 Aug;129(Pt 8):2061-76.
(6) A randomized trial of 3,4-diaminopyridine in Lambert-Eaton myasthenic syndrome.
Sanders et al. Neurology.2000; 54: 603
(7) Marshall LA, Szczesniewski A, Johnston PV. Dietary alpha-linolenic acid and prostaglandin synthesis: a time course study. Am J Clin Nutr 1983 Dec;38(6):895-900
(8) Vandenburgh HH, Shansky J, Solerssi R, Chromiak J. Mechanical stimulation of skeletal muscle increases prostaglandin F2 alpha production, cyclooxygenase activity, and cell growth by a pertussis toxin sensitive mechanism. J Cell Physiol 1995 May;163(2):285-94
(9) Gregory R. Adams & Samuel A. McCue. Localized infusion of IGF-I results in skeletal muscle hypertrophy in rats. Journal of Applied Physiology 84(5): 1716-1722, 1998
(10) Palmer RM. Prostaglandins and the control of muscle protein synthesis and degradation. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids. 1990 Feb;39(2):95-104
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