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| Verfasst am: FTW @ 12.09.06 | 02:36 |
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Oxandrolon ist neben dem Testosteron eines der Steroide über denen uns sehr viele Erfahrungswerte und Studien aus dem medizinischen Bereich vorliegen, dieses Steroid wurde aufgrund der schwachen Verfügbarkeit auf dem Schwarzmarkt insbesondere in Europa jedoch kaum benutzt und in der Regel in einer für den BB Bereich eher niedrig einzuschätzenden Dosierung, das übliche Wissen über dieses Steroid ist oft lückenhaft und enthält Halbwarheiten.
Oxandrolon ist ein DHT-Derivat und die gängigen Formeln sind:
17beta-Hydroxy-17-methyl-2-oxa-5alpha-androstan-3-one
17b-hydroxy-17a-methyl-2-oxa-5a-androstane-3-one
Dabei handelt es sich um ein sehr altes Steroid das 1964 in den USA zum ersten mal auf den Markt kam und bei kleinwüchsigen Kindern eingesetzt wurde, denn lediglich aromatisierende Steroide hemmen durch Östrogene das Wachstum. (1)
Derzeit ist aber das hauptsächliche Einsatzgebiet das Wasting Syndrom (Gewichtsverlust) bei HIV/AIDS und dies mit gutem Erfolg, denn man stellte auch hierbei die gute Verträglichkeit des Mittels bei gewünschter Wirkung auf die Mager/Muskelmasse. (2)
Daneben wird Oxandrolon bei Verbrennungsopfern benutzt und erzielt auch hierbei sehr gute Ergebnisse, insbesondere da es auch bei Kindern und Frauen eingesetzt werden darf. Oft fand es eine Anwendung über längere Zeit hinweg bei Mädchen mit dem Turner Syndrom, die Dosis ging hierbei meines Wissens nach höchstens bis 20mg/T um eine Virilisierung zu vermeiden. Zumindest gibt es vereinzelt Fälle wo z.B. vorpubertäre Jungs durch Oxandrolon eine Art Einleitung der Pubertät erfuhren, bei dieser Studie wurde das Kind jedoch über 22 Monate hinweg behandelt, die Behandlung fing mit 6-7 Jahren an. (3)
Was Oxandrolon so interessant macht ist einerseits die fehlende Konvertierung zu Östrogen oder Gestagenen, wodurch diese Nebenwirkungen schon mal wegfallen. Es ist zwar ein DHT Abkömmling, dennoch ist Oxandrolon bekannt dafür, kaum androgenes Potential aufzuweisen bei dennoch hoher anaboler Wirkung. Dies mag einerseits an der 17aa liegen und andererseits an dem Sauerstoff- statt des Kohlenstoffatom an der C-2 Position, sein androgenes/anaboles Verhältnis beträgt bezogen auf Testosteron 1:3 und es ist bis zu 6 mal anaboler als Methyltestosteron. (4)
Nun mag es sicher etwas verunsichernd wirken wenn man so etwas liest, da Oxandrolon eher als ein schwaches Steroid in jeglicher Hinsicht bekannt ist, es könnte aber sehr wohl sein, dass aufgrund der üblichen niedrigen Dosierung insbesondere sein anaboles Potential unterschätzt wurde.
Schon durch das Einsatzgebiet HIV Wasting Syndrom, bei dem die Patienten eigentlich einem plötzlichen und starken Gewichtsverlust ausgesetzt sind, in der Regel 10%-20% des Körpergewichts, kann man erkennen, dass Oxandrolon scheinbar selbst bei geringer Dosierung sehr effektiv den Muskelmasseverlust stoppt und für einen weiteren Zuwachs sorgt. (5)
Ähnliche Schlussfolgerungen kann man aus Fällen mit Brandopfern ziehen, die starken Verbrennungen ausgesetzt waren. Einmal wurde Oxandrolon in einer Dosis von 20mg zusammen mit Eiweiß an Patienten verabreicht, die die akute Phase der Verbrennung hinter sich hatten und nun auf ihr altes Gewicht kommen sollten, 30-50% der Körperoberfläche waren vebrannt. Nach 3 Wochen stieg ihr Gewicht im Durchschnitt um 14.5 Pfund also ungefähr 7 kg. (6)
Um aber den antikatabolen Effekt des Oxandrolon zu analysieren gab man wiederrum 20mg/T Verbrennungspatienten kurz nach dem Unfall, etwa 3 Tage danach, wobei 40-70% der Körperoberfläche verbrannt waren. Patienten denen nur ein Placebo verabreicht wurde verloren um die 8kg Körpergewicht, in der Oxandrolon Gruppe lediglich im Durchschnitt 3kg. (7)
Zusammenfassung aller Studien zu dem Thema: (8)
Um das ganze noch weiter zu verdeutlichen eignet sich ein Vergleich zwischen Oxandrolon (20mg/T) und Nandrolondecaonat (600mg/W) über 12 Wochen hinweg. (9)
Der Sinn der Studie war eigentlich zu verdeutlichen, wie wichtig zusätzliches Kraftraining zur Steroidgabe bei Patienten notwendig ist um die Ergebnisse zu optimieren.
Ich beziehe mich diesmal lediglich um die Gewichtszunahme ohne Training, da lediglich Nandrolon+Training mit Nandrolon und Oxandrolon ohne Training verglichen wurde.
Das interessante daran ist der folgende Vergleich „In the nandrolone study, LBM increased by 3.9 ± 2.3 kg in the group randomized to receive only nandrolone” und “In the oxandrolone study, total LBM increased by 3.0 ± 1.5 kg for subjects randomized to oxandrolone”.
Die Nandrolongruppe nahm also im Durchschnitt 4 kg zu während die Oxandrolongruppe mit 3kg lediglich etwas schwächer abgeschnitten hat.
Interessant für uns wäre natürlich ein Vergleich dieser Steroide unter Trainingsbedingungen gewesen, jedoch reicht diese Studie schon mal aus um in Verbindung mit anderen, genau zu überlegen ob Oxandrolon wirklich so schwach anabol ist wie bisher gedacht.
Man muss sich die Relation zwischen 600mg Nandrolondec. Und nur 140mg Oxandrolon wöchentlich vorstellen, gerade wenn bisher Nandrolon als sehr anabole Substanz, Oxandrolon hingegen als eher schwach bezeichnet wurden.
Ich will hiermit nicht direkt behaupten Oxandrolon wäre genauso effektiv wie eine hohe Dosis an Nandrolon, lediglich etwas zu denken geben. Letztendlich können wir aufgrund fehlenden, genaueren Materials nicht exakt sagen was das generell für Sportler zu bedeuten hat, ich denke aber wie zu Anfang erwähnt, dass die eher spärlichen Effekte im Sportbereich, die mit diesem Steroid in der Regel erzielt werden eher auf die übliche, niedrige Dosierung von 20-30mg zurückzuführen sind. Empfehlenswerter wäre eher ein Dosisbereich von durchschnittlich 50mg täglich, besonders wenn man sich auf Studien mit dem Wasting Syndrom bezieht in denen man manchmal bis zu 80mg einsetzen musste um gute Ergebnisse bei schweren Fällen zu erzielen.
Fraglich bleibt dann aber das niedrige Nebenwirkungspotential dieses Steroids, das eventuell bei so einer erhöhten Dosis mitansteigen könnte, zumindest Erfahrungswerte zeigen dies nicht auf es sei denn bei Sportlern die bis 150mg täglich dosierten.
Somit kämen wir zu dem Punkt Nebenwirkungen insbesondere bezogen auf die Leber und Leberwerte, da Oxandrolon ein 17alpha alkyliertes Steroid ist. Interessanterweise wird 1/3 des Oxandrolon von der Leber nicht metabolisiert und in seiner ursprünglichen Form ausgeschieden. Gerade zu dem Thema gibt es genug Langzeitstudien, die die Sicherheit des Oxandrolon belegen, die Leberwerte verändern sich kaum (10), es hat zwar eine senkende Wirkung auf das Cholesterin, weshalb man es auch zu diesen Zwecken nutzen wollte bis man herausfand, dass es leider das gute HDL senkte, aber sich auch nicht in extremen Maßen wie Winstrol auf das Cholesterin auswirkte.
Einerseits lässt sich die schon eh geringe Wirkung des Oxandrolon auf die Leber durch Alpha Lipoic Acid und/oder N-Acetyl-Cystein noch weiter senken, während man mit Supplemente wie Sesamin , Fischöl oder Fenofibrat die Cholesterinwerte verbessern kann.
Dies wäre wohl eher bei wesentlich höheren Dosierungen nötig, denn Oxandrolon wurde z.B. auch bei durch Alkohol induzierter Leberschädigung zur Therapie erfolgreich genutzt. (11)
Es bleibt somit zu bezweifeln, dass man es bei einer schon beschädigten Leber zur Regeneration genutzt hätte, wenn es derartig leberbelastend wäre.
Oxandrolonkuren kann man somit ziemlich gelassen 12 Wochen machen ohne sich sonderlich große Sorgen machen zu müssen wie bei manchen, anderen Steroiden, wobei aber die gesamte Panik vor 17aa Steroiden stark übertrieben ist, da man diese über sehr lange Zeiträume hinweg und in hoher Dosierung nehmen müsste um der Leber zu schaden.
Was es das Märchen angeht, Oxandrolon würde die Achse überhaupt nicht belasten und kaum den Testosteronspiegel senken, sei gesagt, dass diese etwas eingeschränkt werden muss, da schon 2,5mg Oxandrolon täglich die Testosteronproduktion um ungefähr 50% gesenkt haben. Nach dem Absetzen des Steroids gab es aber einen Rebound und einen schnellen Testosteronanstieg, Oxandrolon konvertiert zwar nicht zu Östrogenen und belastet die Achse zumindest auf diese Weise nicht, dennoch scheint es sich sehr wohl auf diese auszuwirken, auch wenn sich die Normalwerte relativ schnell nach dem Absetzen einpendeln. (12)
Somit sollte man es nicht unbedingt zum "Bridging" nutzen, von dem ich eh nicht viel halte.
Zusammenfassend wäre zu sagen, dass Oxandrolon nach wie vor ein interessantes Einsteigermittel ist, aber auch für Fortgeschrittene nicht zu verachten ist, Ziel des Artikels war die Infos über das Mittel aus hauptsächlich med. Quellen zu beziehen, um gewisse Halbwarheiten zu entlarven bzw. neue zu vermeiden.
IvanDrago
Quellen:
(1)
Hagenas L.
[Growth rate can be manipulated. Estrogen production in pubertal boys can be blocked by an aromatase inhibitor] Lakartidningen. 2002 Jan 17;99(3):165-8
(2)
Orr R, Fiatarone Singh M.
The anabolic androgenic steroid oxandrolone in the treatment of wasting and catabolic disorders: review of efficacy and safety.
Drugs. 2004;64(7):725-50. Review.
(3)
Doeker B, Muller-Michaels J, Andler W.
Induction of early puberty in a boy after treatment with oxandrolone?
Horm Res. 1998;50(1):46-8.
(4)
http://www.spahs.umt.edu/DIS/pdf/Oxandrolone.pdf
(5)
Strawford A, Barbieri T, Van Loan M, Parks E, Catlin D, Barton N, Neese R, Christiansen M, King J, Hellerstein MK.
Resistance exercise and supraphysiologic androgen therapy in eugonadal men with HIV-related weight loss: a randomized controlled trial.
JAMA. 1999 Apr 14;281(14):1282-90.
(6)
Demling RH, DeSanti L.
Oxandrolone, an anabolic steroid, significantly increases the rate of weight gain in the recovery phase after major burns.
J Trauma. 1997 Jul;43(1):47-51.
(7)
Demling RH, Orgill DP.
The anticatabolic and wound healing effects of the testosterone analog oxandrolone after severe burn injury.
J Crit Care. 2000 Mar;15(1):12-7.
(8)
http://www.burnsurgery.org/Modules/anabolic/page_07_d.htm
(9)
http://ajpendo.physiology.org/cgi/content/full/285/1/E16
Changes in Body Composition
"In the two studies, the primary outcome was change in LBM. In both studies, the groups receiving androgen therapy demonstrated significant changes in total LBM over 12 wk. In the nandrolone study, LBM increased by 3.9 ± 2.3 kg in the group randomized to receive only nandrolone (P < 0.001) and by 5.2 ± 5.7 kg in the group randomized to nandrolone plus PRT (P < 0.001). Moreover, the change in LBM with PRT was greater than without PRT (P = 0.03). In the oxandrolone study, total LBM increased by 3.0 ± 1.5 kg for subjects randomized to oxandrolone (P < 0.001) and by 0.1 ± 1.5 kg in the group randomized to placebo (P = 0.63), which was significantly different from the change in the oxandrolone group (P < 0.001)."
(10)
Thomas S, Wolf SE, Murphy KD, Chinkes DL, Herndon DN.
The long-term effect of oxandrolone on hepatic acute phase proteins in severely burned children.
J Trauma. 2004 Jan;56(1):37-44.
(11)
Mendenhall CL, Moritz TE, Roselle GA, Morgan TR, Nemchausky BA, Tamburro CH, Schiff ER, McClain CJ, Marsano LS, Allen JI, et al.
Protein energy malnutrition in severe alcoholic hepatitis: diagnosis and response to treatment. The VA Cooperative Study Group #275.
JPEN J Parenter Enteral Nutr. 1995 Jul-Aug;19(4):258-65
(12)
Malhotra A, Poon E, Tse WY, Pringle PJ, Hindmarsh PC, Brook CG.
The effects of oxandrolone on the growth hormone and gonadal axes in boys with constitutional delay of growth and puberty.
Clin Endocrinol (Oxf). 1993 Apr;38(4):393-8.
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