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Nandrolon und Östrogenwirkung
Verfasst am: FTW @ 11.09.06 | 18:08  
Es gab einen sehr interessanten Thread bei Cuttingedgemuscle, der zumindest einige Hinweise auf die Konfusion um die östrogenbedingten Nebenwirkungen mit Nandrolon liefern könnte. Wie ich schon mal erklärt habe, wird Nandrolon eindeutig durch Aromatase beeinflusst, da gibt es keine 2. bekannte Aromataseart. (1)

Wir wissen, dass z.B. Steroide ihre Wirkung auch durch Glukokortikoidrezeptoren ausüben können. (2)

Nun es gab eine Studie, bei der man die östrogene Wirkung von 19Norabkömmlingen (Nandrolonabkömmlingen), nicht durch Aromatasehemmer, nicht durch Progesteronantagonisten, dafür aber etwas durch 4OH-Tamoxifen (ist ein aktiver Metabolit des Tamoxifen) abschwächen konnte. (3)
Daraus kann man herleiten, dass die östrogene Wirkung nicht durch die Aromataseaktivität und nicht durch den Progesteronrezeptor eingeleitet wurde. 4OH Tamoxifen zeigte nur teilweise Wirkung, die zumindest eine Bindung der 19Norderivate direkt an den Östrogenrezeptor beweisen.

Das estrogen-response-element (ERE) das in der Regel durch aktivierte Östrogenrezeptoren eine entsprechende Synthese einleitet, ist ist somit das relevante Element für die endgültige Wirkung des Östrogens als auch seiner Antagonisten. Nun im Falle der Nandrolonderivate, kann der ER (Östrogenrezeptor) nicht allein zuständig gewesen sein für die Aktivierung des ERE, da man die Wirkung lediglich einschränken konnte.
Hierbei sollte man aber trotzdem die Wirkung der Nandrolonderivate direkt über den Östrogenrezeptor im Hinterkopf behalten.

Nun kommt ein weiterer Hinweis, den liefert Estren, es kann als Prohormon für Nandrolon dienen, ist dem Nandrolon sehr ähnlich und wird dabei durch das 3a-HSD Enzym zu Nandrolon konvertiert, das z.B. im Muskelgewebe das DHT inaktiviert.
Estren kann allein durch den Androgenrezeptor sowohl androgene- als auch östrogene Transkripte aktivieren. (4)
Klartext: Nandrolonderivate aktivieren den ERE scheinbar durch den Östrogenrezeptor und durch einen nicht bekannten Weg, Estren dem Nandrolon sehr ähnlich, aktiviert ERE, also übt eine östrogene Wirkung durch den Androgenrezeptor aus.

Man kann hierbei zwar nicht direkt auf Nandrolon schließen, aber es ist mehr als wahrscheinlich und würde vielleicht die Kontroverse um die östrogenbedingten Nebenwirkungen ein wenig beleuchten, bei denen Aromatasehemmer sich nicht als unbedingt nützlich gezeigt haben, was aber nicht heißt, dass sie bei 19Norsteroiden überhaupt nicht wirken.

(1)
Dintinger T, Gaillard JL, Moslemi S, Zwain I, Silberzahn P.
Androgen and 19-norandrogen aromatization by equine and human placental microsomes.
J Steroid Biochem. 1989 Nov;33(5):949-54.

(2)
Mayer M, Rosen F.Am J Physiol. Interaction of anabolic steroids with glucocorticoid receptor sites in rat muscle cytosol. 1975 Nov;229(5):1381-6.

(3)
J. Botella,t E. Duranti, V. Viader, I. Duc, R. Delansorne, J. Paris. Lack of Estrogenic Potential of Progesterone- or 19-Nor-progesterone-derived Progestins as Opposed to Testosterone or 19-Nor- testosterone Derivatives on Endometrial Ishikawa Cells. Steroid Biochem. Molec. Biol. Vol. 55, No. 1, pp. 77-84, 1995.

(4)
Centrella M, McCarthy TL, Chang WZ, Labaree DC, Hochberg RB.Estren (4-estren-3alpha,17beta-diol) is a prohormone that regulates both androgenic and estrogenic transcriptional effects through the androgen receptor.Mol Endocrinol. 2004 May;18(5):1120-30. Epub 2004 Feb 5.

© IvanDrago
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