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Meine Eindrücke von der BXI
Verfasst am: FTW @ 04.10.06 | 01:30  
Ein paar persönliche Gedanken
von User bulkolly

Dies ist nun tatsächlich mein erster eigener Artikel nach all den vielen Übersetzungen, die ich zuvor für eine andere Seite gemacht habe. Paradoxerweise dreht sich dieser Artikel dann auch noch um ein Thema, von dem ich eigentlich überhaupt keine Ahnung habe: Bodybuildingwettkämpfe. Ich gebe es ganz offen zu, ich habe noch nie einen Wettkampf live gesehen. Muss es mir jetzt peinlich sein, dass ich keinen einzigen Namen aus dem Starterfeld gekannt habe? Nun gut, da ich die Materie also mehr aus der Theorie kenne, werde ich einfach meine persönlichen Eindrücke in den Vordergrund stellen.

Ankunft bei der bxi
Die ganze Aktion begann dann auch schon mit einer "Meisterleistung" meinerseits. Man sollte wohl auch dann besser in den Stadtplan schauen, wenn man für ein paar Jahre in Frankfurt gewohnt hat. Falsches Halbwissen hat sich heute mal wieder als schlimmer als Unwissenheit erwiesen. Meine Freundin war zumindest hoch begeistert, als wir an der Messe in Frankfurt standen und ich feststellen musste, dass ich die Festhalle in Frankfurt mit der Jahrhunderthalle in Höchst verwechselt hatte (warum haben die Organisatoren auch Jahrhunderthalle Frankfurt auf die Tickets geschrieben???). Nun gut, mit etwas Verspätung (der Bankdrückwettbewerb war gerade vorbei) kamen wir schließlich in der Jahrhunderthalle an. Eigentlich wollte meine Freundin schon am Eingang wieder die Flucht ergreifen als sie all die breiten Typen sah (ab einem gewissen Grad mag sie das gar nicht mehr), doch als sie die niedliche Kleine vom Body Attack Stand gesehen hatte, beschloss sie, mich doch lieber nicht alleine hier zu lassen. Räumlich war die Body Xtreme so aufgebaut, dass sich um den Bühnenbereich in der Mitte ein Kreis aus Ständen aller namhaften Supplementhersteller zog, wo man alles bekommen konnte, was das Herz begehrt. Für mich war natürlich der Stand mit den ganzen Low Carb Leckereien am interessantesten (wie jeder, der mich und meine kranke Ernährung kennt, sofort richtig geraten hätte).

Vorstellung und Pflichtprogramm
Gegen 15:00 h ging es mit der ersten Runde der eigentlichen Wettkämpfe los (Vorstellung der Athletinnen und Athleten und Pflichtposenprogramm). Hierbei wurde natürlich den Damen der Vortritt gelassen, wobei dieser Teil nicht wirklich einen spannenden Wettkampf versprach. Außer Desiree Dümpel hatten alle anderen Starterinnen verletzungsbedingt abgesagt, und wenn nicht kurzfristig eine sich gerade in der Wettkampfvorbereitung befindende Bodybuilderin eingesprungen wäre, hätte sich die erste Runde wohl zu einer ziemlich einseitigen Angelegenheit entwickelt. So gab es wenigstens ansatzweise etwas wie einen Wettstreit, auch wenn dieser etwas einseitig ausfiel, da sich Desiree natürlich viel besser hatte vorbereiten können. Auf meine persönlichen Empfindungen bzgl. extremen Frauenbodybuildings gehe ich jetzt lieber nicht näher ein .... aber Geschmäcker sind da bekannter weise verschieden (auch wenn ich mich immer noch Frage, warum die Mädels bei 3% Körperfett noch einen BH tragen, doch das ist ein anderes Thema).

Nach der Bodybuildingklasse der Frauen kam die Figurklasse der Damen mit der unglaublichen Anzahl von genau einer Starterin (wer würde da am Ende wohl das Rennen machen? Uns stand ein harter Wettkampf bevor). Wenn man jedoch die fantastische Kür von Dorota Szczesna gesehen hatte, kam man zu der Ansicht, dass sie ihren späteren Sieg sehr wohl verdient hatte und sich auch gegen ein größeres Starterfeld hätte durchsetzen können.

Nach ein paar weiteren Ansagen und (verunglückten) Witzen des Moderators (gut, zumindest er konnte darüber lachen) begann der eigentliche Wettkampf (eigentlicher Wettkampf deshalb, weil es mehr als 2 Starter gab, die sich auch noch recht ebenbürtig waren): der Wettkampf der Männer. Hier gab es keine Gewichtsklassen sondern nur den direkten Vergleich zwischen allen Startern. Wer hier eine schwache Amateurmeisterschaft erwartet hatte, der wurde doch sehr positiv überrascht. Alle Starter waren in einer tollen Form und schmal war von denen sicher keiner. Interessant war die bunte Mischung der Gewichts- und Altersklassen sowie der unterschiedlichen Körpertypen. Von Mitte 20 bis fast 50 war alles vertreten. Das Gewicht reichte von um die 90 bis über 120 Kilo bei Mario Hemmer. Während einige auf das möglichst passende Zusammenspiel aus Masse und Symmetrie setzten gab es mit Teilnehmern wie Hemmer auch Athleten, die mehr dem (aus meiner Sicht unglücklichen) Trend folgten, dass hauptsächlich die brutale Masse zählt und symmetrische Aspekte wie das Verhältnis eines breiten Oberkörpers zu einer möglichst schmalen Taille nebensächlich sind. Na ja, die Geschmäcker sind eben so verschieden wie die unterschiedlichen Körpertypen (und ich wollte ja einen Bericht aus MEINER Sicht schreiben).

Nach dem ersten Lineup aller Teilnehmer gab es die direkten Vergleiche von jeweils Vierergruppen, bei denen die individuellen Unterschiede der einzelnen Athleten noch besser zur Geltung kamen (und sich der laienhafte Zuschauer speziell bei den Doppelbizepsposen von hinten fragte, ob das extreme Zittern einiger Teilnehmer hierbei nicht zu verwackelten Bildern führen würde ...). Auf meinen persönlichen Eindruck von den einzelnen Teilnehmern werde ich später bei der Beschreibung der Kür noch näher eingehen, doch hier an dieser Stelle möchte ich doch schon die Teilnehmer erwähnen, die mir besonders aufgefallen waren. Neben Mario Hemmer, zu dem ich ja weiter oben schon etwas gesagt habe, fiel mir Clarence DeVis besonders auf (und das lag nicht nur an seinem schwarz rot goldenen Posingslip, der mich an das nervige Flaggenmeer während der WM erinnerte). DeVis bestach durch eine sehr gute Definition mit extremer Härte bei der man jede Muskelfaser sehen konnte, ohne dass ein Meer von Adern hervorquoll. Gleichzeitig passte die Symmetrie sehr gut (doch irgendwie war mir schon zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass bei den Kampfrichtern die schiere Masse im Endeffekt über die Symmetrie siegen würde, doch davon später mehr). Einen starken Kontrast (wenn auch wieder auf eine interessante Art) zur aderlosen alabasterartigen Muskelhärte von DeVis stellte Mehmet Yildirim dar. Seine Härte und Definition waren überwältigend, wobei seine Vaskularität alle anderen Teilnehmer im Feld in den Schatten stellte. So viele prall hervorspringende Adern hatte ich zuvor noch nie bei einem Bodybuilder gesehen (ich hatte nicht einmal geahnt, dass es im menschlichen Körper so viele Adern gibt...). Besonders beeindruckend fand ich auch Werner Zenk. Ist der Mann wirklich schon über 50? Einfach enorm, wie er Teilnehmer, die 20 Jahre jünger waren, blass aussehen ließ.

Alles andere als ein Pausenfüller im Programm war die sich anschließende Akrobatikshow von Human Eclipse. Hier konnte man lernen, wie es aussieht, wenn man Kraft, Balance und Ästhetik kombiniert. Einfach eine tolle Show.
Ebenfalls eine tolle Show, wenn auch weniger akrobatisch aber dafür ungleich kraftvoller, war der Rekordversuch mit 400 kg bei der Kniebeuge. Nachdem man gesehen hatte, wie leicht die 300 und die 350 Kilo bewegen wurden, war es schließlich auch keine Überraschung mehr, dass die 400 Kilo bewältigt wurden und damit ein neuer deutscher Rekord auf die Beine aufgestellt worden war.

Kür und Entscheidung bei den Frauen
Nach einem Gastposing von Migger Milazzo im Mafialook mit Trenchcoat und Schlapphut ging es weiter mit der Kür und der Entscheidung bei den Damen der Bodybuildingklasse. Richtig interessant war hierbei eigentlich nur die Kür, da schon jedem beim allerersten Vergleich klar geworden war, wer hier gewinnen würde. Desiree Dümpel, die Siegerin der Klasse, war aufgrund ihrer besseren Vorbereitung natürlich klar im Vorteil und holte sich somit verdient den Sieg. Noch eindeutiger wurde die Entscheidung in der Fitnessklasse, bei der es mit Dorota Szczesna überhaupt nur eine Teilnehmerin gab.
Bevor es bei der Kür der Männer richtig spannend werden sollte, beeindruckte Nicole Pfützenreuther mit einem gelungenen Gastauftritt.

Kür der Männer
Die Kür der Männer begann Mario Hemmer (Startnummer 3), der seine Masse noch einmal dadurch unterstreichen konnte, dass er die Titelmelodie des Films "The Rock" zur musikalischen Untermalung ausgewählt hatte. (Glücklich war er mit seiner Kür aber anscheinend nicht so, was man an dem Kopfschütteln bei seinem Abgang erkennen konnte.)
Als nächstes folgte Werner Zenk mit der Startnummer 4 und zeigte allen noch einmal, dass Bodybuilding und ein harter definierten Körper keine Frage des Alters ist. Vielleicht sollten sich an ihm so einige Jungspunde, die mehr mit Chemie als Training schnell einen guten Körper erreichen wollen, eine Scheibe abschneiden. Mit ihrem Lebens- und Trainingsstil werden sie im Alter von Werner wahrscheinlich wirklich alt aussehen und nicht immer noch so gut wie er.)
Mit der Startnummer 5 bewies Thomas Scheu mit seiner Kür, dass brutale Masse sowohl definiert als auch wohlproportioniert sein kann, und dass Masse und Symmetrie sich nicht ausschließen müssen.
Mehmet Yildirim mit Startnummer 6 zeigte während seiner Kür noch einmal auf beeindruckende Art und Weise, dass er die beste Vaskularität aller Starter im Feld hatte. (Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man sich fragen, ob es etwas Ähnliches wie Synthol auch für Adern gibt ...)
Csaba Kocsis überzeugte durch seine Härte, Definition und guten Proportionen.
Die wohl unterhaltsamste Kür im Feld kam von Steve Benthin. Er begann mit einem Posing im Roboto Style mit harten abgehackten Bewegungen und lieferte dann eine Supershow. Ihm sah man an, dass er Spaß am Posing und der Show hatte. Endlich mal etwas anderes als das krampfhafte, verzerrte Grinsen, das man bei vielen Bodybuildern sonst so sieht.
Nach dieser tollen Show habe ich zugegebenermaßen ganz vergessen mir etwas zu Slavomir Rogoza zu notieren, der eine gute Kür lieferte, aber das Pech hatte, direkt nach Steve auf die Bühne zu müssen.
Bei David Okrasa fehlte es bei einer guten Grundlage bzgl. Masse und Form dann doch etwas an der Definition. Mit einem um 2 - 3 % niedrigeren Körperfettanteil hätte er bestimmt ganz vorne im Feld mitmischen können.
Mit einer Tanzeinlage als ersten Teil seines Posings überraschte Eddi Derzapf mit der Startnummer 11 das Publikum. Er war in meinen Augen ein weiteres positives Beispiel dafür, dass enorme Masse und eine schmale Körpermitte sich nicht gegenseitig ausschließen müssen.
Selbiges konnte man auch über Cerkan Cetin (Startnummer 12) sagen. Hier stimmten Symmetrie und Proportionen einfach sehr gut.
Clarence DeVis wird sich nach diesem Abend bestimmt fragen, ob ihm seine Startnummer 13 Pech gebracht hat. Nicht nur, dass seine abschließende Platzierung (nicht nur in meinen Augen) alles andere als gerechtfertigt war. Er hatte auch das Pech, dass seine Kür der von Steve Benthin zumindest im Bereich der Robotik Dance Nummer ziemlich ähnlich war, und diese dann aufgrund der späteren Kür wie eine Kopie des Originals wirkte. Mir persönlich gefiel DeVis von allen Startern mit am besten, da er eine tolle Symmetrie mit einer Definition kombinierte, bei der man jede Muskelfaser erkennen konnte, ohne dass zu viele Adern den ästhetischen Gesamteindruck störten. (Gut, Ästhetik und Profibodybuilding driften ja sowieso immer weiter auseinander, aber das ist jetzt wieder nur meine persönliche Meinung ...)
Als Letzter Teilnehmer kam Görkem Gürsoy (Startnummer 14) auf die Bühne und überzeugte das Publikum davon, dass man auch ohne ein absolutes Schwergewicht zu sein mit einer sehr guten Symmetrie und Definition sehr gut aussehen kann.
Entscheidung Männer: Plätze 7 - 12
Die anschließende Verkündung der Plätze 7 - 12 führte teilweise zu lautem Protest des Publikums, da einige Publikumslieblinge wie DeVis oder Yildirim auf nicht nachvollziehbar schlechten Plätzen landeten (gut, das Thema reine Masse vs. Symmetrie hatten wir ja schon ...).

Name Startnummer Platzierung
David Okrasa 10 12
Görkem Gürsoy 14 11
Csaba Kocsis 7 10
Cerkan Cetin 12 9
Mehmet Yildirim 6 8
Clarence DeVis 13 7

(Als Regelmäßiger Übersetzer für eine andere Seite konnte ich dann auch noch ein neues englische Wort vom Moderator der Show lernen, wobei ich zugeben muss, dass ich "the pokal" bis jetzt noch in keinem Wörterbuch finden konnte ...)
Mit dem Zuschauerpokal für die beste Kür wurde völlig verdient Steve Benthin ausgezeichnet, der mit seiner Kür wirklich alle von den Stühlen gerissen hatte.

Als es dann die Gastauftritten der Stars kamen wurde mir mal wieder klar, dass ich die falsche Person für Wettkampfberichterstattung bin. Mein Interesse am Profibodybuilding ist „so groß“, dass ich weder mit dem Namen Dennis Wolf noch mit dem Namen Dennis James etwas anfangen konnte...

Als erster kam Dennis Wolf auf die Bühne, der als Überraschungsgast nach der Absage von Quincy Taylor eingesprungen war. Dennis war jedoch alles andere als nur ein kurzfristiger Ersatz. Seine Show in Verbindung mit seiner enormen Masse war einfach nur überwältigend. Endlich mal wieder ein Beispiel dafür, dass brutale Masse auch ohne den so genannten Wachsbauch möglich ist.
Der unangefochtene Publikumsliebling war jedoch Dennis James, der im Anschluss die Bühne betrat. Da hielt es das Publikum nicht mehr auf den Stühlen - besonders, als Dennis nach seiner eigentlichen Kür die Bühne verließ und zwischen dem Publikum weiter poste. Ein echter Star zum Anfassen ohne Allüren, der genau weiß, was seine Fans von ihm erwarten. Auf so etwas waren nicht einmal die Organisatoren vorbereitet, denen bald die Musik für Dennis Auftritt ausging.
(Mir persönlich rief Dennis jedoch auch wieder ins Gedächtnis, warum ich vor 15 Jahren aufgehört habe mich für Profibodybuilding zu interessieren. Mit seiner zugegebenermaßen übermenschlichen Masse steht er für den Trend im Bodybuilding, der manchen mehr ästhetisch eingestellten Bodybuildingfan nachdenklich stimmt: Brutale Masse ist alles, Symmetrie und Proportionen sind Nebensache. Wo bleiben Athleten wie ein Frank Zane, ein Lee Labrada oder ein Bob Paris? Wahrscheinlich würden sie von den heutigen Kampfrichtern nicht einmal mehr beachtet. Vielleicht sollte man auch beim Männerbodybuilding zwei Klassen einführen: die Masseklasse und eine Symmetrieklasse. Dies ist jedoch meine eigene persönliche Meinung und ich möchte hiermit keinesfalls die Leistung und die wirklich einmalige Show von Dennis James in irgendeiner Weise schmälern.)
Mit einer Aussage über den Moderator Jürgen Stickelbrock sprach mir Dennis James dann aber aus der Seele: "Es gibt keinen, der mehr Scheiß babbelt als der ..."

Entscheidung Männer: Plätze 1 - 6
Nachdem sich das Publikum wieder etwas beruhigt hatte kam als krönender Abschluss die Endausscheidung der Männer, die Thomas Scheu einen verdienten Gesamtsieg bescherte.
Die Ergebnisse waren wie folgt:

Name Startnummer Platzierung
Thomas Scheu 5 1
Steve Benthin 8 2
Werner Zenk 4 3
Mario Hemmer 3 4
Eddi Derzapf 11 5
Slavomir Rogoza 9 6

Abschließen möchte ich sagen, dass es für mich eine interessante neue Erfahrung war einmal einen Wettkampf live mitzuerleben. Ich muss allerdings gleichzeitig zugeben, dass dies nicht so meine Welt ist und dieser Bericht wahrscheinlich auch mein einziger Wettkampfbericht bleiben wird.
Was mir teilweise während dem Wettkampf durch den Kopf ging, kann ich leider auf einem Portal, das versucht sich mehr für den Wettkampfsport zu engagieren, nicht schreiben, da es einfach zu böse und ironisch wäre. Danach würde mich bestimmt keiner mehr zu einem Wettkampf lassen und ich hätte Feinde, die mich jetzt noch gar nicht kennen. Ich bin halt von meiner Art her mehr der offen und teilweise auch zu direkte Typ der auch gerne mal spottet. Wie böse ein Artikel frei Schnauze hätte sein können möchte ich mit dem Zitat des Dialoges beim ersten Treffen zwischen Vince Gironda und Arnold Schwarzenegger andeuten: Arnold (mit stolzgeschwellter Brust):"Hi, I am Arnold Schwarzenegger, Mr. Universum." Vince Gironda (kritisch):"You look like a fat fuck to me."

Copyright für diesen Artikel liegt bei bulkolly
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