IvanDrago primus inter pares

Anmeldedatum: 21.02.2003 Beiträge: 1309
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Verfasst am: 14.08.05 | 18:10 Titel: N-Acetylcystein (NAC) als Supplement |
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N-Acetyl-Cystein (NAC) ist ein Derivat der Aminosäure Cystein, Cystein spielt in der körpereigenen Produktion von Glutathion eine sehr wichtige Rolle. Glutathion ist ein Peptid, das in jeder Körperzelle vorhanden ist und an vielen Funktionen im Körper beteiligt ist, Biosynthese und vorallem Entgiftung, es ist ein effektiver Antioxidant. Glutathion wurde zu diesen Zwecken auch als Schutz bei radiokativer Strahleneinwirkung eingesetzt. Da NAC als Cystein Lieferant dient, weist es durch die Erhöhung von Glutathion dieselbe Wirkung auf. (1)
Vorallem wegen dieser Wirkung ist NAC interessant für Sportler und insbesondere für Steroidanwender, die zu lebertoxischen 17aa Steroiden greifen. NAC wirkt sich schützend auf das Lebergewebe aus, die dazu durchgeführten Studien belegten eine Wirkung auch bei stärkeren Vergiftungen. (2)
Steroide, insbesondere die erwähnten 17aa veschlechtern in der Regel die Cholesterinwerte, dadurch ergibt sich bei der Verwendung von NAC eine weitere positive Wirkung, dadurch, dass es die HDL (gutes Cholesterin) Werte erhöht. (3)
Die Leber ist ein relativ widerstandsfähiges Organ, dies trifft nicht auf die Niere zu, zwar sind Geschichten über Nierenschädigung durch Trenbolon eher in das Reich der Mythen einzuordnen, jedoch besteht eine direkte Verbindung zwischen stark erhöhtem Blutdruck und Nierenschäden, Steroide erhöhen den Blutdruck auf unterschiedliche Art und Weise, NAC zeigt sich in diesem Fall auch als eine Art Allroundsupplement, da es eine nierenschützende Wirkung aufweist. (4)
Da Cystein auch in den Herzzellen gespeichert wird, ist es auch für dessen Gesundheit von Relevanz, insbesodere nach körperlicher Belastung sind die Glutathionwerte im Herz gesenkt, das ist für Sportler sicherlich von Relevanz und kann auch durch NAC ausgeglichen werden. (5,6)
Durch die antioxidative Wirkung ist ein positiver Effekt auf die Mitochondrienfunktion (Zellkraftwerke) festzustellen und dies ist nicht irrelevant für die sportliche Leistung dies bezieht sich auch auf die Mitochondrien im Hirngewebe, wobei es insbesondere für ältere Menschen wichtig ist. (7)
Da wir schon die sportliche Leistung ansprechen, lohnt es sich näher darauf einzugehen, Studien mit NAC haben sich insbesondere mit der Ausdauerleistung und Muskelermüdung beschäftigt und hierbei einerseits nicht nur eine verbesserte Leistung in puncto Ausdauer festgestellt (8,9,10) sondern auch Muskelkraft (11). In einer Studie (11) wies man eine Verbesserung um ca. 13% in beiden Bereichen nach: "Both peak power [13 +/- 3.5 (SE) %, P < 0.02] and 30-s work capacity (13 +/- 3.7%, P < 0.03) increased significantly in the Immunocal group, with no change (2 +/- 9.0 and 1 +/- 9.3%) in the placebo group."
Weiterhin sollte man bedenken, dass sich oxidativer Stress negativ auf die Insulinsensibilität auswirkt, eine verschlechterte Insulinsens. ist nicht nur bei Diabetes 2 Patienten zu finden, sondern heutzutage immer häufiger bei vielen Menschen, insbesondere bei denjenigen mit einem höheren Körperfettanteil. Durch die starke antioxidative Wirkung könnte sich NAC auch hier hilfreich zeigen, was wiederrum für Sportler interessant ist. (12)
Übertraining ist nicht immer leicht zu kontrolieren, selbst wenn es nicht Extrem ausfällt kann es zu Folgen führen wie ständiger Müdigkeit, Lethargie und Immunschwäche. Dies ist einerseits auch auf eine Senkung der intrazellulären Glutathionspeicher zurückzuführen und auch auf die Apoptosis (Zelltod) von Lymphozyten woraus dann ein geschwächtes Immunsystem resultiert. Mit NAC konnte man der Lymphozytenapoptosis Einhalt gebieten und damit die typischen Symptome des Übertrainings lindern. (13)
Es erwies sich in dieser Hinsicht hilfreich sogar bei HIV Patienten, indem es ihr Immunsystem stärkte. (14)
Eine weitere, zwar nicht so relevante, Wirkung die mir beim Durchsehen der Studien jedoch sofort auffiel, ist die auf die Haarfolikel. Die Studie bezieht sich jedoch nur auf die Schäden die durch Zigarettenrauch verursacht werden, denn dieser führt eindeutig zu Folikelschäden Haarausfall bzw. beschleunigt den schon vorhandenen bei Menschen mit einer Veranlagung dazu, einerseits weil Nikotin gefäßverengend ist und damit weniger Nährstoffe zu den Folikeln gelangen (gegensätzliche Wirkung zum Minoxidil) und andererseits weil viele Stoffe im Rauch toxisch sind und auch in die Folikel gelangen. Zumindest konnte dies durch NAC gemildert werden, die Studie wurde an Mäusen durchgeführt. (15)
Die Fülle an Wirkungen, die man mit einer Einnahme von NAC erzielen kann ist enorm, insbesondere auch für den relativ günstigen Preis (z.B. ACC Akut aus der Apotheke oder im Internet), dies macht es auf jeden Fall als Allroundsuplement interessant.
Die Dosis sollte zwischen 600mg und 1800mg gewählt werden, wobei die goldene Mitte von 1200mg mal wieder die empfehlenswerteste ist. Eine ausreichende Supplementation mit Vitamin C ist erforderlich, da es Hinweise gibt NAC würde bei Vitamin C Mangel eventuell zu Nierensteinbildung führen, dies sollte nicht überbewertet, aber dennoch beachtet werden.
Ivan Drago
| Zitat: |
(1)
Sridharan S, Shyamaladevi CS.
Protective effect of N-acetylcysteine against gamma ray induced damages in rats--biochemical evaluations.
Indian J Exp Biol. 2002 Feb;40(2):181-6.
(2)
Attri S, Rana SV, Vaiphie K, Katyal R, Sodhi CP, Kanwar S, Singh K.
Protective effect of N-acetylcysteine in isoniazid induced hepatic injury in growing rats.
Indian J Exp Biol. 2001 May;39(5):436-40.
(3)
Cholesterin:
Franceschini G, Werba JP, Safa O, Gikalov I, Sirtori CR.
Dose-related increase of HDL-cholesterol levels after N-acetylcysteine in man.
Pharmacol Res. 1993 Oct-Nov;28(3):213-8.
(4)
Shyu KG, Cheng JJ, Kuan P. Acetylcysteine protects against acute renal damage in patients with abnormal renal function undergoing a coronary procedure. J Am Coll Cardiol. 2002 Oct 16;40(8):1383-8
(5)
Khanna S et al. 1999 Alpha lipoic acid supplementation: Tissue
glutathione homeostasis at rest and following exercise. J.Appl.Physiol.86(4):1191-1196
(6)
Rodrigues AJ, Evora PR, Schaff HV.
Protective effect of N-acetylcysteine against oxygen radical-
mediated coronary artery injury.
Braz J Med Biol Res. 2004 Aug;37(8):1215-24. Epub 2004 Jul 20.
(7)
Cocco T, Sgobbo P, Clemente M, Lopriore B, Grattagliano I, Di Paola
M, Villani G.
Tissue-specific changes of mitochondrial functions in aged rats:
effect of a long-term dietary treatment with N-acetylcysteine.
Free Radic Biol Med. 2005 Mar 15;38(6):796-805.
(8)
Matuszczak Y, Farid M, Jones J, Lansdowne S, Smith MA, Taylor AA,
Reid MB.
Effects of N-acetylcysteine on glutathione oxidation and fatigue
during handgrip exercise.
Muscle Nerve. 2005 Jul 15;
(9)
Medved I, Brown MJ, Bjorksten AR, Murphy KT, Petersen AC, Sostaric
S, Gong X, McKenna MJ.
N-acetylcysteine enhances muscle cysteine and glutathione
availability and attenuates fatigue during prolonged exercise in
endurance-trained individuals.
J Appl Physiol. 2004 Oct;97(4):1477-85. Epub 2004 Jun 11
(10)
Reid MB, Stokic DS, Koch SM, Khawli FA, Leis AA.
N-acetylcysteine inhibits muscle fatigue in humans.
J Clin Invest. 1994 Dec;94(6):2468-74.
(11)
Lands LC, Grey VL, Smountas AA.
Effect of supplementation with a cysteine donor on muscular performance.
J Appl Physiol. 1999 Oct;87(4):1381-5. Erratum in: J Appl Physiol 2000 Jan;88(1):followi.
(12)
Evans JL, Maddux BA, Goldfine ID.
The molecular basis for oxidative stress-induced insulin
resistances.
Antioxid Redox Signal. 2005 Jul-Aug;7(7-8):1040-52.
(13)
Quadrilatero J, Hoffman-Goetz L.
N-Acetyl-L-cysteine prevents exercise-induced intestinal lymphocyte
apoptosis by maintaining intracellular glutathione levels and
reducing mitochondrial membrane depolarization.
Biochem Biophys Res Commun. 2004 Jul 2;319(3):894-901.
(14)
De Rosa SC, Zaretsky MD, Dubs JG, Roederer M, Anderson M, Green A, Mitra D, Watanabe N, Nakamura H, Tjioe I, Deresinski SC, Moore WA, Ela SW, Parks D, Herzenberg LA, Herzenberg LA.
N-acetylcysteine replenishes glutathione in HIV infection.
Eur J Clin Invest. 2000 Oct;30(10):915-29.
(15)
D'Agostini F, Balansky R, Pesce C, Fiallo P, Lubet RA, Kelloff GJ,
De Flora S.
Induction of alopecia in mice exposed to cigarette smoke.
Toxicol Lett. 2000 Apr 3;114(1-3):117-23.
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